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Karlsruhe: Presseportal

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19. Mai 2020

Deportation von Sinti und Roma aus Karlsruhe vor 80 Jahren

Städtische Gedenkveranstaltung verschoben / Neues Buch zum Thema erscheint

Am 16. Mai 1940 wurden im nationalsozialistischen Deutschen Reich auf Anweisung von Heinrich Himmler etwa 2.800 "Zigeuner", so die lange benutzte diskriminierende Bezeichnung für die Sinti und Roma, verhaftet, in Sammellager gebracht und in das Generalgouvernement Polen gebracht. Dort kamen sie in Arbeitslager oder Ghettos. In Karlsruhe wurden Sinti-Familien aus der Stadt und der Region, etwa 200 Personen, im Polizeipräsidium am Marktplatz zusammengetrieben und von dort mit Lastwagen in das als Sammellager genutzte Zuchthaus Hohenasperg gebracht.

Etwa die Hälfte der dann in das besetzte Polen Deportierten kam in der Folgezeit um. Während in den von Deutschland besetzten Ländern Osteuropas ein Völkermord an den Sinti und Roma, dem Hunderttausende zum Opfer fielen, stattfand, wurde im Deutschen Reich diese "Endlösung" Ende 1942 angegangen. Am 16. Dezember 1942 ordnete Heinrich Himmler an, alle noch im Reichsgebiet und den besetzten Ländern lebenden Sinti und Roma in Vernichtungslager zu schicken. Aufgrund dessen wurden im März 1943 über 20.000 Sinti und Roma als "rassisch minderwertig" nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo bis zu dessen Ende 1944 über zwei Drittel an Hunger, Misshandlungen, Krankheit oder medizinischen Experimenten ihr Leben verloren. Darunter waren wieder zahlreiche Karlsruherinnen und Karlsruher.

Neue Publikation

"Lange Zeit gehörten sie zu den 'vergessenen Opfern' ", schreibt Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup im Geleitwort zu einer neuen Publikation des Stadtarchivs Karlsruhe, das sich mit der frühen Verfolgungsgeschichte dieser Gruppe in Karlsruhe befasst. "In der Bundesrepublik Deutschland wurde ihre Verfolgung lange Zeit nicht anerkannt. Erst 1982 erfolgte gegen maßgeblichen Widerstand von immer noch wirkenden sogenannten 'Zigeunerexperten' die formale Anerkennung als Opfer des Nationalsozialismus", bemerkt er weiter.

Das Buch von Johannes Kaiser mit dem Titel Verfolgung von Sinti und Roma in Karlsruhe im Nationalsozialismus. Die städtische und kriminalpolizeiliche Praxis erscheint im Info Verlag und ist ab nächste Woche im Buchhandel und im Stadtarchiv zum Preis von 14,90 Euro erhältlich.

Gedenkveranstaltung wird nachgeholt

Ausfallen muss hingegen die von der Stadt Karlsruhe am 20. Mai geplante Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Deportation wegen der Covid-Einschränkungen. Die Veranstaltung und eine begleitende Wanderausstellung des Landesverbands der Sinti und Roma werden aber im nächsten Jahr nachgeholt.