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Karlsruhe: Presseportal

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27. Oktober 2017

Glückwünsche für Paul Niedermann

 

Der Zeitzeuge und Träger der Ehrenmedaille der Stadt Karlsruhe wird 90 Jahre alt

In der Herrenstraße 14 wohnte im Jahr 1940 eine Familie mit zwei Kindern. Vater, Mutter und die Söhne. Am 22. Oktober wurden Albert und Friedericke Niedermann mit Paul und Arnold sowie rund 950 andere jüdische Einwohner Karlsruhes in das Lager Gurs nach Frankreich verschleppt und anschließend nach Rivesaltes. Arnold konnte von dort mit dem letzten Quäkertransport vor Kriegseintritt der USA entkommen, Paul gelang mit Hilfe einer jüdischen Untergrundorganisation die Flucht. Als er schließlich 1943 in der Schweiz ankam, wusste er, dass seine Eltern in den Osten verschleppt und vermutlich ermordet worden waren. Friederike Niedermann starb 1942 in Auschwitz, Albert Niedermann, der im Ersten Weltkrieg schwer verwundet und mit dem Eisernen Kreuz Erster Klasse ausgezeichnet worden war, zu einem unbekannten Zeitpunkt in Majdanek.

Am 1. November wird Paul Niedermann 90 Jahre alt. Seit 1988 ist Niedermann, der unter anderem als Journalist und Fotograf gearbeitet hat und in Frankreich lebt, regelmäßig nach Karlsruhe gekommen, um in Schulen über das Schicksal seiner Familie und anderer jüdischer Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes zu berichten. 2007 wurde er mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet, 2013 mit der Ehrenmedaille der Stadt Karlsruhe.

Auch Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup gratuliert Paul Niedermann zu dessen 90. Geburtstag. "Es freut mich besonders", schreibt das Stadtoberhaupt, "dass Sie sich bei Ihren Aufenthalten in Karlsruhe wieder 'zu Hause' fühlen." So pflege Niedermann sehr herzliche und intensive Kontakte zu Freunden in der Fächerstadt. "Ich erinnere mich gerne an die vielen persönlichen Treffen und an die Gespräche mit Ihnen", hofft Mentrup, Niedermann bald wieder in Karlsruhe begrüßen zu dürfen.

Biographien von Friederike und Albert Niedermann finden sich im Gedenkbuch für die Karlsruher Juden, das sich im Internet unter gedenkbuch.informedia.de aufblättern lässt.