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Karlsruhe: Presseportal

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22. April 2016

Eine Lehmwand für Benny, Sophie und Katche

VOT-ORT-TERMIN zum KIT-Projekt für Schimpansen im Zoo Karlsruhe mit Tierpfleger Michaal Heneka

VOT-ORT-TERMIN zum KIT-Projekt für Schimpansen im Zoo Karlsruhe mit Tierpfleger Michaal Heneka

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BASISINFORMATIONEN: Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt stellt den KIT-Studierenden die Ausrichtung des Zoos Karlsruhe vor

BASISINFORMATIONEN: Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt stellt den KIT-Studierenden die Ausrichtung des Zoos Karlsruhe vor

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Kooperation von Zoo Karlsruhe und KIT/angehende Architekten entwerfen Wand aus Stampflehm für Außengehege der Schimpansen

Was ändert sich für Architekten, wenn sie für Tiere planen und bauen? Dieser Frage gehen Studierende am KIT natürlich in der Theorie nach. Aber ganz bewusst auch in der Praxis – und suchen im 1zu1-Seminar zusammen mit Prof. Daniele Marques vom Fachgebiet Gebäudelehre und Prof. Rosemarie Wagner von der Bautechnologie  im Sommersemester 2016 die intensive architektonische Auseinandersetzung mit dem Thema Stampflehm. Die Aufgabe liefert der Zoo Karlsruhe: Es gilt, für die Rückwand der Schimpansen-Außenanlage eine Wandstruktur zu bauen. In die Aufgabenstellung führte Seminarleiter Sebastian Niemann vom Fachgebiet Gebäudelehre am Mittwoch (20. April) im Seminarraum des Exotenhauses ein. Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt ergänzte durch Hintergrundinformationen über die Tiere und den neu entwickelten Masterplan für den Zoologischen Stadtgarten. Und gab erste Antworten auf Fragen wie: Was benötigen die Schimpansen? Und wie ist ihr Tagesablauf?

„Der Zoo ist ein Platz, an dem sich alle Menschen jeglichen Alters und Herkunft treffen. So freut es uns ganz besonders, dass wir unsere Kooperationen, die bisher mit den biologischen und veterinärmedizinischen Fakultäten der Universitäten bestehen, nun auch auf die technische Seite des Ingenieurwesens über das KIT ausweiten können und somit mehr Mitstreiter bekommen, die sich für die Optimierung des Lebensbedingungen unserer Zootiere einsetzen“, betonte  Zooleiter Reinschmidt.

Sich in die Welt der Schimpansen eindenken

Michael Heneka, Tierpfleger bei den Schimpansen, erklärt direkt vor Ort, was die Schimpansen brauchen, womit sie sich beschäftigen und worauf die Studierenden bei ihrem Entwurf achten müssen. So bauen sich Schimpansen selbst Schlafnester. Sind hier Aushöhlungen möglich, wo die Schimpansen sich einen Ruheplatz bauen können? Oder Löcher, wo sie mit Ästen ihre Nahrung herausfischen können?

Die über 40 am Projekt teilnehmenden Studierenden aus dem Bachelor- und Masterstudium machten so nicht nur die Bekanntschaft mit den drei Schimpansen. Klar wurde auch, dass die Herausforderung nicht klein ist: Es gilt, eine 30 Meter lange und zweieinhalb Meter hohe Wand, mit einer Tiefe von 40 bis 50 Zentimetern, zu gestalten. Das ganze selbsttragend. Insgesamt dürften um die 40 Tonnen Lehm benötigt werden. Der traditionelle Baustoff Lehm wurde vorab ausgewählt, weil er einerseits über hohe ökologische Qualitäten verfügt und andererseits vergleichsweise einfach zu verarbeiten ist.

„Es ist eine tolle Aufgabe“, freut sich Stefan auf die Arbeit mit Stampflehm. Ausgesprochen motivierend sei es, dass „nicht nur für die Katz‘ gewerkelt“ wird, sondern das Ergebnis tatsächlich vor Ort bleiben wird. „Mit dem Zoo Karlsruhe haben wir einen idealen Kooperationspartner für eine spannende, nicht alltägliche Aufgabe“, betonte Projektleiter Niemann.

Neben Zoo-Fachmann Reinschmidt haben die Studierenden in Eva Kaltenbach, Leiterin der Abteilung Bau und Technik des Zoos, eine weitere Ansprechperson vom Fach. Und dass alles klappt, werden die Tierpfleger mit eingebunden. Michael Heneka  schlug vor, dass vorab ein Probestück aus Stampflehm in das Gehege gelegt wird, um zu sehen, wie die Schimpansen damit umgehen. "Man weiß ja, wie bei Messebesuchen Modelle nach zwei Tagen aussehen“, so Heneka und ergänzt: „Da sind unsere Schimpansen nicht anders, die haben so 24 Stunden Zeit, daran herumzufingern." Es wird also vorab ein Stück produziert.

Lehmwand soll funktional und visuell überzeugen

Denn die Lehmwand soll Benny, Sophie und Katche als „Nutzer“ des Geheges etwas bieten. Sie soll neben dem funktionalen Anspruch aber auch visuell überzeugen und den im „Entwicklungskonzept Zoologischer Stadtgarten“ festgehaltenen Zielen förderlich sein. Unter dem Motto „Park der Naturdialoge“ sollen im Masterplan Zoologischer Stadtgarten auch bauliche Projekte angestoßen werden.

Das Affenhaus stammt aus den 1960er Jahren, wurde seitdem mehrfach mit Blick auf eine Verbesserung der Bedingungen für die Tierhaltung geändert und ergänzt. Aufgrund der Vorgaben der Säugetierrichtlinien sieht das Entwicklungskonzept ein Neubau für Menschenaffen vor. Für die bestehende Anlage für Schimpansen ist eine Weiternutzung durch Ara-Papageien angedacht. Kurzfristig soll das 1zu1-Projekt eine Verbesserung in Bezug auf die aktuellen Defizite bringen.

Im Juli werden aus den Studierenden Bauwerker im Zoo

Im Juli kommt es dann zum Schwur: Passt alles – und vor allem: Wie gefällt Mensch und Tier die neue Wand? Eine Woche haben die angehenden Architektinnen und Architekten Zeit, ihre Pläne in der Realität umzusetzen. Bis dahin heißt es: Recherchieren, analysieren, entwerfen und präsentieren…