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Karlsruhe: Presseportal

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3. Mai 2018

Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg eröffnet

Startschuss für das Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg

Startschuss für das Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg

Details und Download

Testfeld Autonomes Fahren in Karlsruhe eröffnet

Testfeld Autonomes Fahren in Karlsruhe eröffnet

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OB Mentrup gibt gemeinsam mit Vertretern aus Wissenschaft und Politik Startschuss für Mobilität der Zukunft

"Karlsruhe ist taf(f)", ist Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup überzeugt. "Wer das noch nicht wusste, bekommt ab heute einen weiteren, eindrucksvollen Beweis dafür." Denn nach fünfmonatigem Probebetrieb eröffneten Kommunen, Land und Forschungseinrichtungen am 3. Mai offiziell ihr gemeinsames Projekt, das "Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg" (TAF BW). "Nun sind wir nicht nur taf(f), wir haben jetzt auch das TAF", sagte Mentrup augenzwinkernd bei der Eröffnungsfeier in Karlsruhe.

Das Testfeld in Karlsruhe, Heilbronn und Bruchsal stehe für eine innovative Zusammenarbeit von Landesregierung, Wissenschaft, Kommunen und dem Karlsruher Verkehrsverbund KVV bei einem zukunftsweisenden Mobilitätsthema, betonte Mentrup. Gemeinsam mit Verkehrsminister Winfried Hermann und Innenminister Thomas Strobl sowie Vertretern des Konsortiums gab das Stadtoberhaupt daher auf dem KVV-Betriebsgelände den Startschuss für die Weiterentwicklung des autonomen Fahrens im Land.

"Das Spektakuläre ist das Unspektakuläre"

Das Spektakuläre am Testfeld "ist das Unspektakuläre", wie Mentrup betonte. "Wir rüsten öffentliche Straßenzüge inner- und außerorts mit digitaler Technik aus und eröffnen den Firmen die Möglichkeit, unter ‚echten Bedingungen‘ zu testen – ohne dass dadurch eine Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer besteht." Es gebe dabei kein "hochgezüchtetes, abgesperrtes Testareal auf künstlichen Modellpisten" – alles geschehe im Normalbetrieb auf öffentlichen Straßen, integriert in den alltäglichen Straßenverkehr.

In Karlsruhe steht auch die Öffentlichkeit hinter diesem Weg. Ein Bürgerforum zum Testfeld im vergangenen Jahr stieß bei der Bevölkerung auf positive Resonanz. Der Karlsruher Gemeinderat unterstützt das Projekt zudem mit Finanzmitteln.

Das gesamte Testfeld, auf dessen Vernetzung die Entwickler hinarbeiten, erstreckt sich zwischen Karlsruhe, Stuttgart, Bruchsal und Heilbronn. Zur ersten Ausbaustufe gehört in Karlsruhe eine etwa 24 Kilometer lange Route zwischen Oststadt und Südtangente. Sie ist mit stationärer Messtechnik, schnellen Datenleitungen und intelligenten Ampeln ausgestattet - etwa an der Kreuzung Ostring und Durlacher Allee. Hier erfassen Sensoren, die die Testfahrzeuge "lesen" können, den Verkehr. Die Daten werden dann in Echtzeit ausgewertet. Weitere Felder sollen in den Stadtteilen Dammerstock und Rüppurr aufgebaut werden.

Mobilität neu erfinden

"Die Mobilität wird gerade noch einmal neu erfunden. Und Baden-Württemberg ist vorne mit dabei", freute sich der stellvertretende Ministerpräsident Thomas Strobl. "Heute, am Geburtstag der baden-württembergischen Auto-Pionierin Bertha Benz bringen wir in Karlsruhe das Testfeld für autonomes Fahren an den Start – und die Mobilität der Zukunft im Realbetrieb auf unsere Straßen."

Ein wichtiger Aspekt von TAF BW ist die Erprobung neuer Formen des öffentlichen Personennahverkehrs. "Perspektivisch soll hier vor Ort auch an der Entwicklung neuer ÖPNV-Konzepte wie etwa der Nutzung autonom fahrender Mini-Busse gearbeitet werden", zeigt sich Dr. Alexander Pischon, Geschäftsführer des künftigen Testfeld-Betreibers KVV, zuversichtlich. Dies lobte auch Verkehrsminister Winfried Hermann. "Weil beim Karlsruher Ansatz der ÖPNV und der Individualverkehr zusammen betrachtet werden, haben wir dem Konzept den Zuschlag für unsere Landesförderung erteilt", erläuterte er.

Noch wenige Tage vor der Inbetriebnahme hatten Techniker der Teststrecke den letzten Schliff verpasst, damit von nun an Unternehmen und Forschungseinrichtungen zukunftsorientierte Technologien und Dienstleistungen rund um das vernetzte und automatisierte Fahren im Straßenverkehr erproben können. Dazu gehören neben Autos und Bussen auch Nutzfahrzeuge, etwa die Fahrzeuge der Straßenreinigung oder der Zustelldienste.

Realitätsnahe und sichere Bedingungen

Federführend innerhalb des Konsortiums leitet das FZI Forschungszentrum Informatik das Projekt. FZI-Vorstand und KIT-Professor J. Marius Zöllner stellte den Gästen aus Industrie, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft anhand eines Videoclips die Infrastruktur des Testfelds vor. In den Forschungseinrichtungen würden zukunftsweisende Technologien zum autonomen Fahren entwickelt, die es in neuen Anwendungen nun zu etablieren gelte, berichtete er sichtlich begeistert. "Das geht jedoch nur, wenn unter realitätsnahen und sicheren Bedingungen getestet werden kann." Dies biete das Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg. "Damit haben wir nun ideale Voraussetzungen, um die Mobilität technologisch, wirtschaftlich und vor allem auch gesellschaftlich weiterzuentwickeln", so Zöllner.

Auch der Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), Professor Holger Hanselka, sieht mit dem Testfeld eine Wegbereitung für die Mobilität von morgen. Das KIT leiste mit der Verzahnung von Mobilitätsforschung und Informatik sowie von Forschung und Anwendung nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Zukunftsfragen. "Das Testfeld stärkt auch unsere Ambitionen in der Forschung auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz", so Hanselka.

 

TAF BW

Konzeption, Planung und Ausbau des TAF BW wird umgesetzt von einem Konsortium aus dem FZI Forschungszentrum Informatik, der Stadt Karlsruhe, dem Karlsruher Institut für Technologie, der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft, dem Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB, der Hochschule Heilbronn und der Stadt Bruchsal sowie weiteren assoziierten Partnern des Testfelds. Das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg stellte dafür dem Konsortium 2,5 Millionen Euro zur Verfügung. Das Konsortium sowie die assoziierten Partner und Industriepartner bringen zusätzlich Eigenmittel in das Vorhaben ein, in dessen Rahmen ein technologieoffenes und einzelunternehmensunabhängiges Testfeld für das vernetzte und automatisierte Fahren in Baden-Württemberg entstehen wird. Das Land Baden-Württemberg will über eine auf das Testfeld in Karlsruhe aufbauende Folgeausschreibung ("Smart Mobility") zudem Vorhaben aus Industrie und Forschung fördern.

Weitere Informationen unter www.taf-bw.de.

 

Über das Konsortium

Das FZI Forschungszentrum Informatik hat die Konsortialführerschaft inne und bringt Know-How in die Wahrnehmung von Verkehrsteilnehmern in Kreuzungen, die vernetzte Infrastruktur sowie die IT-Datenhaltung ein. Darüber hinaus werden die bestehenden Forschungsfahrzeuge auch für interessierte Testfeldnutzer als Sensorträger und Forschungsplattform zur Verfügung gestellt. Auch das Thema Datenschutz sowie der gesteckte Rechtsrahmen werden dabei von den Mitarbeitern des FZI untersucht und berücksichtigt. Mehr unter www.fzi.de.

Die Stadt Karlsruhe unterstützt den Aufbau des Testfelds durch die spezielle Ausrüstung von Ampelsystemen, durch Personalressourcen und den Ausbau des kostenlosen Internetangebots KA-WLAN. Außerdem stellt sie (als Mitgesellschafterin des KVV) den Betrieb des Testfelds sicher. Weitere Informationen unter: www.karlsruhe.de.

Das Karlsruher Institut für Technologie beteiligt sich an der Planung sowie am Aufbau des Testfelds, baut einen mobilen Leitstand auf und stellt Büroflächen und Werkstätten für die Nutzer des Testfelds bereit. Zusätzlich erarbeiten die Wissenschaftler Grundlagen für Verkehrsflussmodelle und stellen Prüfeinrichtungen für technische Prüfungen bereit. Details zum KIT-Zentrum Mobilitätssysteme: www.mobilitaetssysteme.kit.edu.

Die Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft beteiligt sich vor allem in folgenden Themenfeldern am Aufbau des Testfelds: Ausstattung des Straßennetzes mit Sensorik und Videotechnik zur Erfassung von Verkehrsabläufen, Witterung und Straßenzustand, Integration von Daten zum baulichen Straßenzustand in das hochpräzise Kartenmaterial, Werkstätten am Standort Bruchsal sowie Definition/Realisierung der Informationssysteme und Integration der Echtzeitauskunft. Mehr unter: www.hs-karlsruhe.de.

Das Fraunhofer IOSB wird mit dem Betriebsstart ein Webportal zum Testfeld für interessierte Bürgerinnen und Bürger mit Informationen über die genutzten Sensoren anbieten. Dieses gibt eine Übersicht zu den installierten und geplanten Sensoren und Live-Informationen wie die Beschaffenheit der Fahrbahn sowie den Streckenverlauf des Testfelds. Im Arbeitspaket Rechtsrahmen, Datenschutz und Sicherheit bringt das Fraunhofer IOSB umfassendes Wissen über technischen Datenschutz in komplexen Systemen ein. Es unterstützt die Partner dabei, Konzepte zu entwickeln, wie das Testfeld rechtliche Datenschutzvorgaben im laufen-den Betrieb erfüllen und gleichzeitig den hohen angestrebten Nutzen erreichen kann. Mehr unter: www.iosb.fraunhofer.de.

Stadt und Region Bruchsal bringen sich mit Baden-Württembergs zweitgrößtem E-Carsharingsystem "zeozweifrei unterwegs", dem Innovationszentrum für experimentelle urbane Logistik "efeuCampus" sowie attraktiven Streckenabschnitte wie der barocken Schlossdurchfahrt, die einst schon Bertha Benz als Kulisse für die allererste Autofahrt nutzte, ins Testfeld ein. Mehr unter: www.bruchsal.de.

Die Hochschule Heilbronn gemeinsam mit der Stadt Heilbronn integriert in das Testfeld einen Streckenabschnitt, welcher die Zufahrt zur Buga-2019 enthält und das Reallabor Autonome Logistik anbindet. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten zur Untersuchung von urbanen Mobilitätskonzepten. Wissenschaftler der Hochschule Heilbronn befassen sich innerhalb des gesamten Testfelds insbesondere mit dem Aufbau und Design von intelligenten Sensorsystemen zur Umfelderfassung und der algorithmischen Situationsanalyse.  Mehr unter: www.hs-heilbronn.de.

Als Betreiber nimmt der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) beim Testfeld-Projekt eine zentrale Rolle ein. Von der Leitstelle in der Karlsruher Oststadt wird der KVV die Fahrten und Anwendungen der Testfeld-Benutzer koordinieren und wird in dem Pilotprojekt auch selbst autonome Mini-Busse testen. Weitere Informationen unter: www.kvv.de.