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Individuelle Implantate und die dritte Dimension als Perspektiven

30.07.2015

Die als herausragende Repräsentanten der Gesundheitstechnologie Nominierten für den NEO2015 - Innovationspreis der TechnologieRegion Karlsruhe stehen fest

Wenn acht Experten als hohe Repräsentanten wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Institutionen zusammenkommen und sich ihre Entscheidung nicht leicht machen, ist eine gute Basis für eine würdige und würdigende Ehrung gelegt. Nach der Jury-Sitzung am 21. Juli im Karlsruher Rathaus stehen nun die fünf Nominierten für den NEO2015 fest. Der Preisträger wird bei der Gala am 13. Oktober bei der Firma Biologische Heilmittel Heel in Baden-Baden bekanntgegeben. Der Innovationspreis der TechnologieRegion Karlsruhe (TRK), der dieses Jahr besondere Errungenschaften der Gesundheitstechnologie thematisiert, bewertet und prämiert, wird an einen der fünf im Folgenden dargestellten Forscherinnen und Forscher verliehen, denen die Jury die größte Wirkkraft beimaß: auf Basis der Hauptkriterien einer überzeugend innovativen Leitidee, reeller Marktfähigkeit und globaler Relevanz.

Zu den aus zehn verbliebenen Kandidaten Ausgewählten zählt Dr. Dennis Plachta vom Institut für Mikrosystemtechnik an der Uni Freiburg, dessen Arbeitsgruppe ein bedarfsgesteuertes blutdrucksenkendes Implantat entwickelt hat. Ein nichtmedikamentöses technologisches Prinzip, das den Vagusnerv im Gehirn stimuliert und so den blutdrucksenkenden Körperregelkreis anregt. Bis zu einem Drittel der Patienten, bei denen bislang keine andere Therapie anschlägt, könnte so geholfen werden, sich selbst zu heilen. Ebenfalls nominiert ist Dr. Nicole Ruiter vom Institut für Prozessdatenverarbeitung und Elektronik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Ihr Projekt verfolgt die Entwicklung einer Brustkrebsfrüherkennungsmethode durch 3D-Ultraschall-Computertomografie. Patientinnen werden keiner Strahlung wie bei einer Mammografie ausgesetzt. Das Verfahren ist potenziell sehr kostengünstig und schmerzfrei. Die Vision ist, Tumore zuverlässig mit einer Größe von fünf Millimetern und darunter zu detektieren. Das erhöht die Heilungs- und Überlebenschancen deutlich.

Operationsplanung und Ausbildung über eine intuitive Interaktion zwischen Mensch und Maschine optimiert IMHOTEP (Immersive Medical Hands-On Operation Teaching and Planning System): entwickelt am Institut für Anthropomatik und Robotik des KIT unter Federführung von Dr.-Ing. Stefanie Speidel und in Kooperation mit der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie des Uni-Klinikums Heidelberg. Zielstrukturen (Tumore) und Risikostrukturen (Gefäße) lassen sich in einer virtuellen 3D-Szene per Videobrille untersuchen. Das Programm wird per Hand gesteuert und zeigt sowohl besser als auch schneller als herkömmliche Verfahren präzise an, wo ein Eingriff wie erfolgen sollte. Das System wird bereits in der von Prof. Dr. Dr. Uwe Spetzger geleiteten Neurochirurgischen Klinik des Städtischen Klinikums Karlsruhe erprobt. Dort wandte dieser im Mai, direkt nach Bewerbungsschluss, weltweit erstmals ein Verfahren an, für das auch er nominiert wurde: Das Einsetzen eines mittels Computertomografie und nach virtuell simulierter Operation am 3D-Drucker passgenau zur Anatomie des Patienten gefertigten Implantats in die Halswirbelsäule, was eine maximale Kontaktfläche zum Knochen erlaubt. Das individuelle Titan-Implantat entsteht in Kooperation mit internationalen Partnern.

Dass 3D-(Druck-)Verfahren nicht nur Unterhaltung und Industrie, sondern auch die Gesundheitstechnologie voranbringen, zeigt Forschungsgruppenleiter Dr. Roland Unterhinninghofen vom KIT-Institut für Anthropomatik und Robotik mit einer passgenau gefertigten Fixierungsmaske für die Strahlentherapie. Um den gesamten Tumor zu treffen und das umliegende gesunde Gewebe zu schonen, darf der Patient sich während der Behandlung auf keinen Fall bewegen. Das soll eine auf Bilddaten basierende Maske erleichtern, die weder Beklemmung auslöst noch Atmung und Sicht nimmt. Der Fokus liegt zunächst auf dem Kopfbereich. Wenn das System dafür etabliert sein wird, seien adäquate Ausdehnungen auf andere Körperregionen problemlos realisierbar, erklärten die Forscher in ihrer Beschreibung, die jeder Kandidat einzureichen hatte.

Die Jury hatte eine Vorauswahl über Bewertungsbögen getroffen und debattierte dann bis zur umfassenden Einigung in folgender Besetzung: Dr. Jens Fahrenberg, Leiter des KIT-Innovationsmanagements, Wolfgang Grenke, Präsident der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe, Prof. Dr. Joachim Knebel, Bereichsleiter 3 am KIT, Prof. Dr. Karl-Heinz Meisel, Rektor der Hochschule Karlsruhe, Prof. Dr. Ulrich Rappen, Chefarzt an der Baden-Badener Klinik für Kinder und Jugendliche, apl. Prof. Dr. Steffen Rupp, Abteilungsleiter Molekulare Biotechnologie am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik, der in Vertretung des Institutsleiters Prof. Dr. Thomas Hirth dem Kreis beiwohnte, Prof. Dr. Vahid Sandoghdar vom Direktorium des Erlanger Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts sowie Prof. Dr.-Ing. Stephan Schenkel, Prorektor der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Karlsruhe.

Den Innovationspreis NEO verleiht die TRK seit 2010. Geschäftsführer Jochen Ehlgötz bilanzierte als Moderator für die Juroren erfreut, dass das Feld Gesundheitstechnologie sich als eigener Cluster neben Kernkompetenzen wie IT und Mobilität herauskristallisierte. Gesucht waren die innovativsten Lösungen für Diagnostik, Therapie, Reha, Prävention, Gesundheitsförderung und Telemedizin. Bei der feierlichen Verleihung am 13. Oktober werden die Nominierten in kurzen Filmbeiträgen präsentiert, ehe der Mediziner, Autor und Unternehmer Prof. Dietrich Grönemeyer mit einer Laudatio den Preisträger verkündet.