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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 13. September 2013

Begnadeter Landschaftsmaler

Johann Wilhelm Schirmer Foto: StA

Johann Wilhelm Schirmer Foto: StA

 

Johann Wilhelm Schirmer starb vor 150 Jahren / Kunstschule wegweisend aufgebaut

Vor 150 Jahren - am 11. September 1863 - starb Johann Wilhelm Schirmer. Neun Jahre zuvor war er dem Ruf Großherzog Friedrich I gefolgt, in Karlsruhe eine Kunstschule aufzubauen.

Aus ihr ging später die heutige Staatliche Akademie der Bildenden Künste hervor. Heftige Widerstände gegen den "Ausländer" aus Düsseldorf hatten den Großherzog kalt gelassen, er und seine Frau Luise waren begeistert von der akribisch naturalistischen, trotzdem aber magisch-atmosphäri­schen Landschaftsmalerei Schirmers. Der setzte alle Kraft in die Entwicklung der Kunstschule, die im Herbst 1856 für damals 32 Schüler einen Neubau bekam.  Als Pädagoge wie als verwaltungstechnisch versierter Reformer entwickelte er ein breites Lehrangebot künstlerischer Disziplinen. Förderung erfuhr nicht nur die als avantgardistisch beäugte Landschaftsmalerei, die noch im Schatten  staatstragender Historienmalerei stand. Mit Erfolg. Zählten in Düsseldorf, wo er seit 1839 eine Professur für Landschaftsmalerei inne hatte, Arnold Böcklin und Anselm Feuerbach zu seinen Schülern, kamen in Karlsruhe Hans Thoma und Anton von Werner hinzu.  
Geboren 1807, absolvierte er von 1821 bis 1824 bei seinem Vater eine Buchbinderlehre, begann zu zeichnen und zu radieren.  Seit 1825 studierte er neben der Arbeit als Buchbinder an der Düsseldorfer Akademie.  Bald Vollzeitstudent, nahm ihn ein Jahr später Akademiedirektor Wilhelm von Schadow als Schüler auf. Der förderte ihn als Landschaftsmaler, verschaffte ihm ein Staatsstipendium und führte ihn die Gesellschaft ein.  Sein Freund Carl Friedrich Lessing, Urenkel des Dichters, ermunterte ihn zu dem, auf der Berliner Kunstausstellung Aufsehen erregenden Werk "Deutscher Urwald". Lessing konnte er übrigens später als Leiter der Karlsruher Gemäldegalerie gewinnen. Nach einer Reise in die Normandie 1838 intensivierte er Farbe und Tonwirkung, nach der Italientour 1840 zeigten sich stilisierende und idealisierende Einflüsse, oft gepaart mit biblischen Motiven.  Schirmers Spätwerk gleitet bereits in den Impressionismus über. -cal-

 
 

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