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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 15. November 2013

In den Alltag zurück gebracht

STEINE FÜR THEATERKÜNSTLER verlegte Gunter Demnig.

STEINE FÜR THEATERKÜNSTLER verlegte Gunter Demnig.

 

Der Kölner Konzeptkünstler Gunter Demnig hat alleine in Karlsruhe bereits rund 250 Stolpersteine für von den Nationalsozialisten Ermordete oder in den Tod Getriebene verlegt. Insgesamt in ganz Europa über 40.000. Bislang liegen die Messing-Pflastersteine vor allem vor den letzten frei gewählten Wohnstätten der zu Ehrenden.

Am vergangenen Sonntag, 10. November, sind in der Südstadt fünf hinzugekommen. Der Förderverein für Karlsruher Stadtgeschichte und die Bürgergesellschaft der Südstadt gedenken mit den neuen Steinen an vier Euthanasie-Opfer. Die Nationalsozialisten haben 1940 und 1941 etwa 70.000 Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen umgebracht, unter ihnen Hilda Lauinger aus der Wilhelmstraße, Hedwig Kühn aus der Werderstraße und Paula Hühnert aus der Baumeisterstraße.

Alwine und Hugo Ettlinger waren Juden, die in der Wilhelmstraße gelebt hatten. Hugo Ettlinger hatte einen Tier- und Fellhandel, der 1935 "arisiert" wurde. Ettlinger musste wegen der nationalsozialistischen Repressalien fliehen und nahm sich das Leben. Alwine Ettlinger wurde nach Gurs und Auschwitz verschleppt und dort 1942 umgebracht. Die Stolpersteine "bringen die Menschen zurück in den Alltag", wie der Vorsitzende des Fördervereins Stadtgeschichte, Dr. Hans-Jürgen Vogt, bei einer weiteren Verlegungsaktion sagte. Demnig verlegt jetzt auch an den Wirkungsstätten der Opfer.

Lilly "Jank" Jankelowitz war eine gefeierte junge Sängerin am Badischen Landestheater, Vorgängereinrichtung des Staatstheaters. Sie wurde bereits im März 1933 entlassen und starb 37-jährig 1944 im KZ Bergen-Belsen. Staatsschauspieler Paul Gemmeke erhielt wegen "Mischehe" mit einer Jüdin faktisch Berufsverbot und brachte sich 1937 um. An diese beiden erinnern Stolpersteine am Staatstheater.

Bereits am Samstag, 9. November, haben Aktive um "Gegen Vergessen - für Demokratie" in der Weststadt 28 Stolpersteine gereinigt. Mit von der Partie war diesmal auch der Deutschsprachige Muslimkreis. -erg-

 
 

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