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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 15. November 2013

Typografie alphabetisiert die Kunst

Texte und Worte in neuer Bedeutung / Städtischen Galerie zeigt Sonderausstellung

"Typografie kann unter Umständen Kunst sein", prognostizierte Kurt Schwitters vor fast 85 Jahren. Ob jene ?Umstände? es gestatteten, auch Briefbögen, Formulare oder Postkarten als Kunstwerke zu adeln, die der Grafiker 1929 im Karlsruher Rathaus für das Städtische Fürsorgeamt entwarf?

Wohl kaum. Immerhin legte der Hannoveraner mit der grafischen Gestaltung für die Dammerstocksiedlung eine seiner bekanntesten typografischen Arbeiten vor. Schwitters hatte zudem früh erkannt, dass Schrift und Typografie immer gefragtere Elemente in der Warenwelt werden und früher oder später Einzug in die Kunst halten.

Die Städtische Galerie greift jetzt in einer neuen Sonderaustellung "Zeichen. Sprache. Bilder" das Thema von Schrift in der Kunst seit  den 1960er Jahren auf: Jenem Jahrzehnt, in dem sich Hierarchien und Gestaltungselemente aufhoben, sich Schrift als eine eigene Kunstform zu entwickeln begann und Worte als Bilder begreifbar wurden.

Die Idee zu der von Claudia Pohl konzipierten Zeichen- und Schriftenschau sei laut Galeriechefin Dr. Brigitte Baumstark aus Gesprächen mit Werbeexperten entstanden, die für das städtische Museum die Reklametrommel rühren.

Ein Referenzpunkt der Ausstellung ist Kurt Schwitters. In seiner Collage "o.T. (Pelikano1"  löst er sich als einer der ersten Künstler von gängigen grafischen und künstlerischen Gestaltungsverfahren und bezieht Alltagsprodukte in seine Arbeit ein. Zeitungsberichte, Lyrik oder Juristenvokabular sind auch für Harald Klingelhöller Inspirationsquelle. Buchstaben und Wörter formt er zu Skulpturen, in denen sich Texte auflösen, die dann als transformierte Plastiken Sprache und Schrift im Raum erfassen.

Wie Sprache radikal den Denkmalbegriff verändern kann, ist bei Jochen Gerz nachzuvollziehen. Gerz benutzt Sätze und Vokabeln, die eine gedankliche Realität erst in der Bereitschaft zu Assoziation und Entscheidung im Kopf des Lesers erfahren. Insgesamt zeigt die Galerie rund 90 Werke von mehr als 40 Künstlern. Darunter auch Positionen von Franz Ackermann, Joseph Beuys oder Jenny Holzer, die Begriffe aus Folterberichten und staatlichen Geheimdokumenten mit Farbfeldmalerei kombiniert und wie Gerz Raum für Reflexionen öffnet.

Die Ausstellung ist bis zum 23. Februar 2014 zu sehen. Der Katalog kostet an der Museumskasse 19 Euro. Führungen siehe „Kultur Kompakt“ auf dieser Seite. -Lä-

 
 

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