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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 29. November 2013

Spachtel und Bürste gegen Nazi-Parolen

MIT SÜPACHTEL UND BÜRSTE: Irmela Mensah-Schramm (rechts) entfernt Nazi-Parolen. Foto: Fränkle

MIT SÜPACHTEL UND BÜRSTE: Irmela Mensah-Schramm (rechts) entfernt Nazi-Parolen. Foto: Fränkle

 

"Hören Sie auf oder Ihnen droht eine Anzeige wegen Sachbeschädigung", "Haben Sie nicht Besseres zu tun?" oder: "Was wollen Sie denn, Hitler hat doch auch gute Sachen gemacht" - die Reaktionen auf die Arbeit Irmela Mensah-Schramms sind nicht immer freundlich.

Sie wird belächelt, beschimpft oder angezeigt. Aber das entmutigt die frühere Lehrerin nicht, im Gegenteil. Es stachelt sie an. Die Botschafterin der Exit-Initiative - sie hilft Aussteigern aus der rechtsextremen Szene bei der Neuorientierung - entfernt seit 27 Jahren rassistische Schmierereien und Aufkleber auf Wänden, Stromkästen oder in Unterführungen. Ihr Bildarchiv umfasst 13 000 Dokumente.

"Jude, ab in den Ofen" oder "Asylanten raus" - derlei Parolen macht die Berlinerin "ungeschehen". Ihr Rüstzeug? Spachtel, Bürste, Nagellackentferner und Schaber. Die Fotos ihrer Aktionen mit Erläuterungen zu den Fundstellen sind in der Ausstellung "Hass vernichtet" bis 5. Dezember im Foyer des Rathauses am Marktplatz zu sehen. Karlsruhe ist die 400. Station der Schau.

Irmela Mensah-Schramm habe ein "wichtiges Zeitdokument" geschaffen, betonte OB Dr. Frank Mentrup bei der Eröffnung. Ihre Arbeit zeuge von großem Mut, sie trete "Entmenschlichung" und "gefährlicher Gleichgültigkeit" von Behörden und Institutionen und "uns Bürgerinnen und Bürgern" entgegen.

"Der Dreck muss weg", brachte Mensah-Schramm ihr Engagement im Gespräch mit der städtischen Integrationsbeauftragten Meri Uhlig auf eine kurze Formel. Im Übrigen gilt für sie die Gebrauchsanweisung: "Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie das Geschichtsbuch oder fragen Sie Ihre Großeltern". -maf-

 
 

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