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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 21. März 2014

Wochen gegen Rassismus: Zum zweiten Mal in Karlsruhe

MIT EINER FEIER IM BÜRGERSAAL und einem Gastvortrag der Journalistin Hadija Haruna wurden die Aktionswochen eröffnet. Foto: Fränkle

MIT EINER FEIER IM BÜRGERSAAL und einem Gastvortrag der Journalistin Hadija Haruna wurden die Aktionswochen eröffnet. Foto: Fränkle

 

Nicht auf Traditionen und Privilegienbrief ausruhen / Programm will mit 120 Veranstaltungen für alltäglichen Rassismus sensibilisieren und Neugierde wecken

Es sind Menschen wie Ibraimo Alberto, die den zweiten „Karlsruher Wochen gegen Rassismus“ noch bis 30. März Gesicht und Stimme gegen. Alberto, der 2011 von Brandenburg in die „fantastische Multikultistadt“ Karlsruhe flüchtet und „innerdeutsches Asyl“ erhält. Was in Deutschland aus seinen afrikanischen Träumen wurde, beschrieb er nicht nur in seinem ersten Buch, sondern auch vor der Presse zum Auftakt des Festivals mit seinen rund 120 Veranstaltungen.

Karlsruhe sei wie ein „Sechser im Lotto“ schwärmt Alberto, der als „Vertragsarbeiter“ in der DDR, als ehemaliger Boxmeister und langjähriger ehrenamtlicher Ausländerbeauftragter von Schwedt an der Oder Hass und Gewalt, Übergriffen und Beschimpfungen ausgeliefert war und nun „hier glücklich ist wie nie zuvor“.

Wachsam bleiben

Ein Lob, das jeder Oberbürgermeister gerne hört. Trotz des Klimas der Toleranz gelte es weiter wachsam zu bleiben gegen jede Form von Diskriminierung und sich nicht „auf Traditionen und Privilegienbrief“ auszuruhen, betonte Dr. Frank Mentrup am vergangenen Freitag im Rathaus. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist Karlsruhe seit 2007 aktives Mitglied der Europäischen Städte-Koalition gegen Rassismus ECCAR. Die „Karlsruher Wochen gegen Rassismus“ seien nicht „von oben verordnet“ worden, so Mentrup, das Festival lebe von der Stadtgesellschaft, von lokalen Initiativen, Vereinen und Organisationen, die sich unter Federführung des Kulturbüros gegen Ausgrenzung und Vorurteile engagierten.

Auf Fremdheit mit Neugierde reagieren

Dabei geht es Mentrup um zweierlei - um eine bürgerschaftliche „Kultur, die sich im Alltag an Grundrechten orientiert“ und die den einzelnen „so stark macht, dass er auf Fremdheit nicht mit Angst, sondern mit Neugierde reagiert.“ Auch wenn Karlsruhe wie eine Insel der Seligen anmute, gebe es auch hier „latenten Rassismus“, machte die Migrations-Soziologin und Prorektorin der PH Karlsruhe, Prof. Dr. Annette Treibel-Illian deutlich. Und bei Prozessen der Gruppenbildung sei das meist unbewusste „Sortieren“ nach bestimmten Kriterien wie Aussehen oder Hautfarbe normal. Wichtig sei zu wissen, wie es dazu komme, „Menschen anderer Hautfarbe für minderwertig zu halten“.

Zum Selbstläufer geworden

Was vor einem Jahr als „Versuchsballon“ begonnen habe, sei zum Selbstläufer geworden, freute sich Christoph Rapp vom städtischen Kulturbüro. Das Programm ist im Internet unter www.wochen-gegen-rassismus-karlsruhe.de abrufbar. -maf-

 
 

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