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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 11. Juli 2014

Geschichte: Er hat die Menschen geliebt

„PAULCHEN“: Staatschauspieler Paul Müller. Foto: Stadtarchiv

„PAULCHEN“: Staatschauspieler Paul Müller. Foto: Stadtarchiv

 

Staatsschauspieler Paul Müller starb vor 50 Jahren /Vom Publikum verehrt

„Keine Kunst ohne wahre Liebe zur Menschheit", mit dieser Maxime zählte Paul Müller 30 Jahre zu den besten und beliebtesten Schauspielern des Badischen Staats¬theaters. Liebevoll nannten ihn seine Fans „unser Paulchen". Das spätere Ehrenmitglied des Theaters hielt bis ins achte Lebensjahrzehnt echte Begeisterungsfähigkeit und Liebe zum Theater „springlebendig", schrieben die BNN zu seinem 100. Geburtstag am 18. August 1976.

Nach Karlsruhe gekommen war der gewissenhaft-ernste Interpret unzähliger Rollen im Jahr 1915. Seine größten Erfolge feierte er als Komiker, in Sprechrollen der Oper und Operette. Etwa als Theaterdirektor Striese in „Raub der Sabinerinnen" oder Gefängniswärter Frosch in der „Fledermaus".

Begonnen hatte er seine Laufbahn 1903 als jugendlicher Liebhaber am Kurtheater Bad Harzburg. Von da ging es an die Stadttheater Eisenach, Stettin oder Iserlohn, das „Deutsche Theater" seiner Heimatstadt Hannover und das „Kleine Theater" Berlin. Gespielt hat er mit Größen wie Albert Bassermann, Emil Jannings  oder Irene Triesch.

„Mir lag alles daran, nicht Rollen zu spielen, sondern ein Menschendarsteller zu werden"  beschrieb er seinen Anspruch an sich selbst. Über den Ort seines Karlsruher Wirkens, sein geliebtes, von Heinrich Hübsch 1853 erbaute Hoftheater schrieb er: „Rot, Weiß und Gold. satte Farben, gedämpftes Licht, festlich, feierlich, vornehm, ruhig. Nichts störte in diesen Räumen, alles führte zur Sammlung, zum Besinnen auf das Wesentliche, auf den Geist des Kunstwerks".

Sein Freundeskreis schätzte ihn zudem wegen sensibler Erzählungen, Novellen, Romane, Erinnerungen und Verse. Das Schlusswort beim letzten Bühnenauftritt kurz nach Kriegsende als Faktotum Schünzel in „Arm wie eine Kirchenmaus“ lautetet: „Gute Nacht, ich bin müde, ich geh schlafen". Endgültig eingeschlafen ist „Paulchen" vor 50 Jahren  am 7. Juli 1964. -cal-

 
 

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