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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 22. August 2014

Geschichte: Genremalerei zur Brauchtumspflege

Jean Baptist Tuttiné. Bild: Stadtarchiv

Jean Baptist Tuttiné. Bild: Stadtarchiv

 

Trachtenmaler Tuttiné vor 125 Jahren gestorben / Auftrag für ein Trachtenmuseum / Trachten- und Hausgerätesammlung im Landesmuseum

Als sich mit fortschreitender Industrie und Verkehr fest gefügt scheinende Lebenswelten auch in bis dahin abgeschiedenen Regionen wandelten, wurde die Folklore populär. In romantischer Rückwärtsbezogenheit nahmen bürgerliche Städter bäuerliches „Volksleben" und insbesondere Trachten in den Blickpunkt.

Der Kunstmaler Jean Baptist Tuttiné trug mit seiner Genremalerei von Menschen im Schwarzwald zur aufkommenden Brauchtumspflege bei. Diese konservierte oder konfabulierte gar über Brüche hinweg. Denn auch die lokalen Trachten der Landbevölkerung hatten sich in den Zeiten durchaus gewandelt und entsprachen nicht exakt dem, was später unter original Gutacher, Hotzenwälder oder anderer Tracht veranschaulicht wurde.

Tuttiné war am 3. Juli 1838 in ärmlichen Verhältnissen in Bräunlingen geboren. Nach der Schule begann der Waise mit 14 eine Lehre zum Uhrschildmaler und arbeitete anschließend in einer Uhrzuliefererfabrik in Furtwangen. Mit einem großherzoglichen Stipendium studierte er nach 1862 an der Karlsruher Großherzog­lichen Kunstschule, der heutigen Kunstakademie. Daneben musste er sich durch Arbeit in einer Möbelfabrik finanzieren. Tuttiné war bereits ein beachteter Maler als er den Auftrag erhielt, die Trachten­abteilung des Karlsruher Histori­schen Festzugs 1881 anlässlich der Silberhochzeit des Großherzog­paares Friedrich I. und Luise zu organisieren. 800 Darstellende zeigten mit grandiosem Erfolg Trachten aus dem mittleren und südlichen Schwarzwald. Großher­zog und Tuttiné verfolgten danach das Projekt eines badischen Trachtenmuseums. Auch der Auftrag zu einer Gemäldetrilogie vom Zug zur goldenen, zur silbernen und zur grünen Hochzeit erging an ihn. Tuttiné konnte nur das erste Gemälde fertig stellen, da er nach mehreren Schlaganfällen am 23. August 1889 starb.

Seine umfangreiche Trachten und Hausgerätesammlung, von den Erben an den Großherzog veräußert, befindet sich heute im Badischen Landesmuseum. -jsk-

 
 

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