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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 14. November 2014

Geschichte: Verbrechen der Wehrmacht

DAS DENKMAL FÜR DIE 35. Wehrmachts-Infanteriedivision sorgt für Diskussionsstoff

DAS DENKMAL FÜR DIE 35. Wehrmachts-Infanteriedivision sorgt für Diskussionsstoff

 

Wie mit dem Gedenken umgehen? / Historisches Symposium

Wie soll man mit Denkmalen für Wehrmachtseinheiten umgehen, die im Zweiten Weltkrieg an Kriegsverbrechen beteiligt waren? Am Mahnmal für die Gefallenen der seinerzeit in Karlsruher stationierten 35. Wehrmachts-Infanterie¬division hat sich auch in Karlsruhe diese Diskussion entzündet. Bei ihrem Rückzug hat diese Division 1944 unter der Zivilbevölkerung der Ortschaft Ozarichi nahe Minsk ein Massaker angerichtet, einzelne Divisionsangehörige waren auch an weiteren Kriegsverbrechen beteiligt.

Im Gemeinderat war nun die Idee entstanden, den wie ein Sarkophag aussehenden Gedenkstein auf dem Haydnplatz zu entfernen. Das Stadtarchiv hat aus diesem Grund vorige Woche ein ganztägiges historisches Symposium zum Umgang mit Last und Chance der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg veranstaltet. Nachdem der Historiker und Archivar Dr. René Rosenkamp aus Aachen und Eupen die Beteiligung der Division anhand eines von ihm gefertigten Filmes geschildert hat, war es Aufgabe des Hamburger Historikers, Publizisten und Ausstellungsmachers Hannes Heer, mit dem Mythos von der „sauberen“ Wehrmacht aufzuräumen. Heer hatte vor Jahren mit seiner Ausstellung über Beteiligungen der Wehrmacht an Verbrechen für Aufsehen und kontrovers geführte Diskussionen gesorgt. Solche Denkmäler, meinte er, täten mit ihren Inschriften „sehr harmlos“. Er plädierte dafür, sie zu kommentieren. Etwa mit einem Haus, in dem sie deutlich in ihren Kontext gestellt werden. Andere Teilnehmer wie der Nottinghamer Kulturwissenschaftler Prof. Dr. William Niven sahen es als ausreichend an, neben dem Mahnmal eine Stele mit Hinweis auf die Verbrechen aufzustellen.

Für den Abriss sprach sich niemand aus, die Denkmalschützerin Dr. Ute Fahrbacher-Dreher vom Landesdenkmalamt und die Historikerin Prof. Dr. Sylvia Schraut von der Bundeswehr-Universität München für einen Kunstwettbewerb.

Das Kulturamt, so dessen Leiterin Dr. Susanne Asche, entwickelt ein Konzept, wie mit der Erinnerung und speziell mit diesem Denkmal umgegangen werden soll. -erg-

 
 

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