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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 9. Januar 2015

Geschichte: Er malte die Kaiserproklamation

ANTON VON WERNER: Selbstporträt vor seinem Gemälde „Kaiserproklamation“. Bild: Stadtarchiv

ANTON VON WERNER: Selbstporträt vor seinem Gemälde „Kaiserproklamation“. Bild: Stadtarchiv

 

Historienmaler Anton von Werner vor 100 Jahren gestorben

Das Kolossal-Gemälde „Die Proklamation des Deutschen Kaiserreiches“ 1871 dürfte vermutlich fast jedem präsent sein - aus dem Geschichtsbuch. Es entstand in drei unterschiedlich großen Variationen. Das einzig erhaltene, kleinste, dritte Format ist das zum 70. Geburtstag von Reichskanzler Bismarck (1885). Der Historienmaler Anton von Werner war dem Realismus verpflichtet und lehnte stets alle Formen der modernen Kunst ab.

Werners „Realismus“ war auf die erhabene und jeweils politisch wirkende Darstellung von Staats- und Fürstenakten ausgerichtet, was nicht mit realistisch gleichzusetzen ist. Er gilt als ein Hauptrepräsentant der wilhelminischen Kunstauffassung.

Von Werner wurde 1843 in Frankfurt (Oder) geboren. Nach einer Lehre als Stubenmaler kam er 1861 nach Karlsruhe an die Kunstakademie, wo er unter den dortigen Lehrern Schirmer, Coudres, Lessing und Schroedter, dessen Tochter er heiratete, sein großes Talent zeigte und entwickelte.

In diesen jungen Jahren in Karlsruhe baute sich Werner im Kreis kunst- und musikliebhabender, gebildeter Adeliger und Bürgerlicher ein Netzwerk auf. So kam er auch in Verbindung zu Großherzog Friedrich I., der ihn förderte und die Verbindung zum preußischen Kronprinzen herstellte.

1870 wurde von Werner aus Karlsruhe nach Versailles zum Festhalten der Kaiserproklamation gerufen. Folgerichtig wurde Berlin sein Lebensmittelpunkt, wo er seit 1874 bis zum Tod Direktor der Hochschule für die bildenden Künste war. Bereits zu Lebzeiten wurde seine pathostriefende wilhelminische Repräsentationskunst in Frage gestellt.

Seine gänzliche künstlerische Abseitsstellung mit dem Ende des Kaiserreiches musste der am 4. Januar 1915 Gestorbene nicht mehr erleben. Von Interesse für Karlsruhe sind seine 1994 veröffentlichten  Jugenderinnerungen bis 1870. -jsk-

 
 

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