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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 6. März 2015

19. Karlsruher Gespräche: Städte können Demokratie stärken

19. KARLSRUHER GESPRÄCHE mit Benjamin Barber (2.v.r.) und Caroline Robertson-von Trotha. Foto: ZAK / Felix Grünschloss

19. KARLSRUHER GESPRÄCHE mit Benjamin Barber (2.v.r.) und Caroline Robertson-von Trotha. Foto: ZAK / Felix Grünschloss

 

US-Politikwissenschaftler will weltweites Parlament der Bürgermeister gründen

Professor Caroline Robertson-von Trotha und ihr ZAK-Team richteten zum 300. Stadtgeburtstag den Fokus auf das Thema urbane Gesellschaften. Fundiert, aktuell und spannend.

Laut einer UN-Studie leben heute bereits 54 Prozent der Weltbevölkerung im städtischen Raum. In Nordamerika, Lateinamerika und der Karibik sind es sogar schon über 80 Prozent. In Tokio leben 38 Millionen Menschen, in Dehli 25 und Shanghai 23 Millionen.

Dies bringt eine Vielzahl von Herausforderungen mit sich. Sei es im Hinblick auf Stadtplanung, Bevölkerungswachstum oder die Integration unterschiedlicher Kulturen. Gründe genug also für das Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale (ZAK) am KIT die diesjährigen Karlsruher Gespräche unter den Titel "Global DemocraCities. Zwischen Triumph und Niedergang" zu stellen und Wissenschaftler und Experten aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Weißrussland, Ägypten, der Türkei und Deutschland über Städte in Zeiten der Globalisierung diskutieren zu lassen - aus soziologischer, politischer, kultureller sowie ökonomischer Sicht.

Und die Karlsruher Bürgerinnen und Bürger nahmen das spannende Angebot öffentlicher Wissenschaft wieder in Scharen und mit Begeisterung an: ob Vorträge und Diskussionen in Sparda Event-Center und Industrie- und Handelskammer oder die Arte-Filmnacht in der Schauburg.

Bürgermeister nah dran

Begeistern für seine Idee, auch Bürgermeister die Welt regieren zu lassen, wollte der US-amerika¬nische Politikwissenschaftler Benjamin Barber. Er hielt den Eröffnungsvortrag am Freitagabend und zog das Publikum in seinen Bann. Barber sieht die Demokratie in einer Krise: Immer weniger Menschen beteiligten sich, der Terrorismus aber brauche die schweigende Masse. Und das Problem der globalen Mi¬grantenströme sei nicht mit nationalstaatlichem Denken zu lösen. Städte aber, so der Forschungsbeauftragte am Graduate Center der City University of New York, seien schon immer multikulturell und die Menschen identifizierten sich stärker mit ihnen als mit Staaten. Die Bürgermeister seien eben nah dran und die Menschen vertrauten ihnen mehr als den Staatschefs. Deshalb will Barber im Oktober ein weltweites Parlament der Bürgermeister gründen. Denn die Städte bräuchten mehr Macht und sie sollten sie sich nehmen, plädierte der Alt-68er dafür, Migranten lokales Wahlrecht zu gewähren. Jemanden nicht als Bürger zu wollen bedeute, ihn als nicht gleichwertig anzuerkennen.

Wahlrecht für Migranten

Auch Catherine Trautmann, ehemalige Bürgermeisterin von Straßburg, und Petra Roth, bis 2012 Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main, forderten das kommunale Wahlrecht für Migranten. Sonst, so Trautmann, gebe es Bürger zweier Klassen. Und das sei schlecht für die Demokratie. OB Dr. Frank Mentrup sieht die Stärke der Städte darin, dass hier "Gegensätze in pa¬rtizipativen Prozessen" gelöst werden. Er forderte, "Städte sollten mehr Einfluss nehmen, wenn es um Friedensprozesse geht." Für eine "Beteiligung an der Weltregierung" bräuchten die Bürgermeister allerdings etwas mehr Zeit. -res-

 
 

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