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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 6. März 2015

Service: Hilfe ohne moralische Urteile

ERÖFFNUNG: Wolfgang Stoll (Diakonie), Hanna Lindenfelser (Sozialpädagogin), BM Martin Lenz und Dekan Thoma Schalla (v. l.). Foto: Knopf

ERÖFFNUNG: Wolfgang Stoll (Diakonie), Hanna Lindenfelser (Sozialpädagogin), BM Martin Lenz und Dekan Thoma Schalla (v. l.). Foto: Knopf

 

Beratungsstelle für Prostituierte von der Diakonie vorgestellt / Signifikante Lücke geschlossen

Seit vergangener Woche hat Karlsruhe eine Beratungsstelle für Prostituierte in Trägerschaft der Diakonie.

Bei der offiziellen Vorstellung des Pionierprojekts im Gemeindesaal in der Luisenstraße sagte der Direktor des Diakonischen Werks Karlsruhe Wolfgang Stoll: „Wir als Stadtgesellschaft müssen uns ganz konkret darum kümmern, was in unserem Quartier geschieht. Wir möchten Frauen, die der Prostitution nachgehen, andere Perspektiven aufzeigen. Es geht allerdings nicht um moralische Urteile. Falls diese Perspektive nicht gewünscht ist, wollen wir den Frauen den Rücken stärken, so dass sie würdevoll leben und arbeiten können.“

Bürgermeister Martin Lenz betonte, dass die Südstadt nicht zufällig als Ort der neuen Beratungsstelle ausgewählt wurde. Armut und soziale Probleme würden in Karlsruhe nicht an den Rand gedrängt. „Das Diakonische Werk ist für die soziale Stadt von eminenter Bedeutung. Manche Probleme können wir nicht lösen, aber lindern. Mein großer Respekt, dass sie sich dieser schwierigen Herausforderung stellen und diese Beratungsstelle ins Leben gerufen haben“, so Lenz.

Geleitet wird die neue Einrichtung von der Soziapädagogin Hanna Lindenfelser. Ganz wichtig sei, dass die Beratungsstelle früh greife, und nicht erst dann, wenn die Frauen bereits in die Verelendung abgerutscht seien, sagte Ingrid Reutemann, Referentin für Sozialarbeit der Diakonie Baden. „Dies ist ein Angebot, das niedrigschwellig gehalten ist und Berührungsängste auf beiden Seiten abbauen soll. Es schließt eine signifikante Lücke und ermöglicht einen neuen Blick auf Prostitution und die Lebenswelt von Frauen“; führte sie fort.

Dankesworte gab es von Thomas Schalla, Dekan der Evangelischen Kirche in Karlsruhe. „Wir dürfen stolz auf diese neue Einrichtung sein. Mein Dank gilt allen, die daran mitgewirkt haben, insbesondere der Stadt Karlsruhe. Und: „Wir wollen nicht moralisch urteilen, sondern konkrete Hilfe leisten für Frauen, die unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten und oft Opfer modernen Sklavenhandels sind.“

In der von Werken der Künstlerin Gloria Keller umrahmten Eröffnungsfeier sprach auch Professorin Cornelia Helfferich von der Evangelischen Hochschule Freiburg. In ihrem Fachvortag beschäftigte sie sich auch mit Modellprojekten zum Ausstieg aus der Prostitution.  -voko-

 
 

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