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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 13. März 2015

Geschichte: Historisches Kleinod entdeckt

HISTORISCHE SENSATION: Gartenhistoriker Troll zeigt Hörrmann, Hirsch und Huber (von links) den wiederentdeckten Tuffsteinbrunnen. Foto: Fränkle

HISTORISCHE SENSATION: Gartenhistoriker Troll zeigt Hörrmann, Hirsch und Huber (von links) den wiederentdeckten Tuffsteinbrunnen. Foto: Fränkle

 

In einem Haus des Botanischen Gartens kam ein Brunnen aus dem 19. Jahrhundert zu Tage

Noch sieht das Teil etwas unscheinbar aus, vielleicht sogar ein bisschen schmuddelig. Doch die Bauleute, die es entdeckt haben, sind völlig aus dem Häuschen.

Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg und das Landesamt Vermögen und Bau, Dienststelle Karlsruhe, sind im Moment dabei, das ehemalige Kamelien- und Sukkulentenhaus des Botanischen Gartens für das Stadtjubiläum herauszuputzen. Bei den Arbeiten legten sie zu ihrer Überraschung einen historischen Tuffsteinbrunnen aus den 1870er Jahren frei, als sie einen bepflanzten Hügel an einer der Stirnwände des inzwischen als Kakteenhauses genutzten Schauhauses abtrugen.

Die gesamte Anlage - angefangen an der Staatlichen Kunsthalle über die Orangerie bis hin zu den Bauteilen westlich des Schlosses, stammt von Weinbrenner-Nachfolger Heinrich Hübsch. Ihm folgten die Baumeister Berckmüller und Dyckerhoff, die den eher klar gestalteten Hübsch-Bau in romantischer Weise umgestaltet haben.

Aus dieser Zeit, ist sich Gartenhistoriker Prof. Dr. Hartmut Troll von Schlösser und Gärten sicher, stammt der Brunnen. Er weist dies anhand von Plänen zu einer Blumenausstellung von 1872 nach und erklärt: „Man präsentierte damals die Pflanzen überwiegend in Topfkultur, also in der Tradition der fürstlichen Orangerien." Dazu passt ein Tuffsteinbrunnen, der zudem von Vögeln umflogen wurde.

Frei fliegende Vögel, sagen Gartenleiter Thomas Huber und Simon Hirsch, Projektleiter bei Vermögen und Bau, wird es nach Wiedereröffnung des dann neu gestalteten Kamelien- und Sukkulentenhauses nicht geben. Wohl aber wird eine kleine Voliere in das Haus gestellt, um die Atmosphäre des 19. Jahrhunderts und der Romantik wieder ein Stück weit herzustellen.
Dazu dient auch, dass nicht mehr Kakteen ausgestellt werden, sondern, wie im Ursprung, Kamelien und Sukkulenten. Das sind beispielsweise Pflanzen wie Agaven.

Michael Hörrmann ist Leiter von Schlösser und Gärten. Auch er ist hin und weg von dem Fund, der nach seiner Ansicht ein großartiges Geschenk an die Stadt Karlsruhe zu ihrem Jubiläum ist.

Gegen Ende Mai, verspricht Hörrmann, wird das Haus wieder zugänglich sein. Bis dahin ist der Brunnen restauriert und wieder in Betrieb. Und sein Bewuchs mit Moos und Ähnlichem vermittelt dann auch einen ganz anderen Charakter als momentan. -erg-

 
 

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