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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 20. März 2015

Gegen Rassismus: Breite Bündnisse der Solidarität

„HIER IST AFRIKA“: Nicht nur beim Aktionstag empfinden Schülerinnen und Schüler der Albschule die Vielfalt multikultureller Gesellschaft nicht als Belastung, sondern als Bereicherung. Foto: Fränkle

„HIER IST AFRIKA“: Nicht nur beim Aktionstag empfinden Schülerinnen und Schüler der Albschule die Vielfalt multikultureller Gesellschaft nicht als Belastung, sondern als Bereicherung. Foto: Fränkle

PRESSEGESPRÄCH VORAB:  Dr. Jürgen Miksch, Dr. Frank Mentrup, Bilkay Öney und Dr. Theo Zwanziger beantworteten Fragen.

PRESSEGESPRÄCH VORAB: Dr. Jürgen Miksch, Dr. Frank Mentrup, Bilkay Öney und Dr. Theo Zwanziger beantworteten Fragen.

 

Auftakt der internationalen Wochen gegen Rassismus / Karlsruhe hat Vorbildcharakter und die bundesweit meisten Veranstaltungen

Karlsruhes Engagement gegen Rassismus sei „beispielhaft“, die Fülle an Veranstaltungen einzigartig: Dem Lob des Interkulturellen Rates, der in Deutschland seit 20 Jahren die UN-Wochen gegen Rassismus koordiniert, folgten Taten - der bundesweite Auftakt der Aktionswochen unter dem Titel „Anerkennen statt ausgrenzen“ fand am Montagabend im vollbesetzten Bürgersaal des Rathauses statt.

Rassismus sei durch den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU), islamfeindliche Demos und Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, Moscheen und Synagogen „sichtbarer geworden“, betonte Dr. Jürgen Miksch als Vorsitzender des Interkulturellen Rats. Es sei nicht hinnehmbar, dass „Juden keine Kippa mehr tragen“ und „Bürgermeister wegen Anfeindungen zurücktreten“ bezog er sich auf jüngste Vorkommnisse.

Das Rezept dagegen? Breite Bündnisse, „Kontakt von Mensch zu Mensch“ und „Austausch über die einfachen, grundlegenden Fragen des Lebens“, meinte OB Dr. Frank Mentrup. Das ebne den Weg zueinender. Die Wochen gegen Rassismus trügen mit vielerlei Angeboten dazu bei, „im Anderen nicht den per se Fremden“, eher den „noch Fremden“ zu sehen, nicht das Trennende in den Vordergrund zu stellen, sondern das Verbindende.

Karlsruhe sei eine „Stadt der Vielfalt“, unterstrich die baden-württembergische Integrationsministerin Bilkay Öney, Menschen aus 150 Nationen lebten hier. Gleichwohl sei die Lage in Deutschland „extrem paradox“. Selten habe es so viel Unterstützung für Zuwanderer und Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge gegeben. Gleichzeitig beobachtet Öney aber auch zunehmend Stimmungsmache gegen Roma, Muslime oder Juden.

Misstrauen, Abneigung bis hin zur Feindseligkeit gegenüber dem Fremden, gegenüber anderen Kulturen, Religionen und Herkünften ist nach Ansicht Fritz Pleitgens der „vergiftete Nährboden“, auf dem Rassismus in den unterschiedlichsten Staaten, Gesellschaftsformen und Gesellschaftsschichten gedeihe. Fragt man den Journalisten und früheren WDR-Indendanten, der als Botschafter der Internationalen Wochen gegen Rassismus ebenfalls zur Eröffnung kam, so „werden wir mit diesen negativen Erscheinungen leben müssen“. Aber nicht resignierend und „in fataler Ergebenheit“. Die Gesellschaft müsse alles daran setzen, um „Rassismus nicht zu einer ewigen und allgegenwärtigen Plage der Menschheit werden zu lassen“. Dabei seien Politik und Elternhaus gefordert, aber auch Kindergarten und Schule.

Den Festvortrag hielt der Karlsruher Rechtsanwalt Dr. David Schneider-Addae-Mensah, der sich mit seinen Kanzleien in Straßburg und Karlsruhe unter anderem auf Menschenrechtsverletzungen spezialisiert hat und Diskriminierung aus eigener Erfahrung kennt. Weil er sich „trotz bayerischer Mutter“ der grundlosen Polizeikontrollen im Freistaat nicht mehr erwehren konnte, wanderte er in den „liberaleren Südwesten“ aus, „womit ich im Ergebnis recht behalten habe“. Schneider-Addae-Mensah warnte vor „Rassismus-Paranoia“, warb für Akzeptanz des Individuums statt „Anpassung bis zur Unkenntlichkeit“ und riet zu mehr Unverkrampftheit in der Diskussion und im Umgang miteinander, „denn auch Migranten können Rassisten sein.“ -maf-

 
 

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