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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 10. April 2015

Unbegleitete junge Flüchtlinge: „Wir sind froh, ihn zu haben“

EINGERAHMT: Ziemlich beste Freunde sind Carmene und Vittoria Brizzi und ihr Pflegsohn Raffael. Mit im Bild OB Frank Mentrup, der um Nachahmer für dieses bereichernde Modell warb. Foto: Müller-Gmelin

EINGERAHMT: Ziemlich beste Freunde sind Carmene und Vittoria Brizzi und ihr Pflegsohn Raffael. Mit im Bild OB Frank Mentrup, der um Nachahmer für dieses bereichernde Modell warb. Foto: Müller-Gmelin

 

OB Mentrup bei Familie Brizzi / Gastfamilien gesucht / Pflegekinderdienst berät Interessierte

Der städtische Pflegekinderdienst sucht Gastfamilien, die unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kurzzeitig oder langfristig bei sich aufnehmen. Wie bereichernd das Zusammenleben trotz unterschiedlicher kultureller Herkunft, Religion und Sprache sein kann, zeigt sich am Beispiel von Carmene und Vittoria Brizzi und ihres 16-jährigen angolanischen Pflegekinds Raffael.

Seit knapp zwei Jahren sind die Daxlander mit Wurzeln in Süditalien für den Jugendlichen Ersatzeltern. „Wir sind sehr froh, ihn zu haben“, erzählte Vittoria Brizzi OB Dr. Frank Mentrup, der sich am Dienstagnachmittag zum Kaffee angekündigt hatte und deren Engagement würdigte.

Wie die Brizzis sehe er „den großen Schatz hinter den Menschen, die zu uns kommen, nicht den Kostenfaktor“. Für die Mutter zweier erwachsener Töchter war es selbstverständlich, zu helfen. Trotzdem ist aller Anfang schwer. Und er war es auch für Raffael und die Brizzis. Man habe sich aneinander gewöhnen müssen, Raffael sei sehr still gewesen.

Mittlerweile habe sich alles prima eingespielt und „er kann über alles reden ohne Angst zu haben“. „Ich gehöre dazu“ bestätigte auch Raffael, der die Heinrich-Hertz-Schule besucht, nächstes Jahr wohl den Realschulabschluss in der Tasche hat und danach „was mit Elektrotechnik“ machen will.

Kinder und Jugendliche, die allein und ohne ihre Eltern auf der Flucht sind, genießen besonderen Schutz. Sie landen nicht in großen Gemeinschaftsunterkünften, sondern in betreuten Einrichtungen der Karlsruher Jugendhilfe und ihrer Partner oder in Pflegefamilien. Sie bekommen einen Vormund, der sich um sie kümmert und in Asyl- oder Bleiberechtsfragen berät.

Die Inobhutnahme ist längst gängige Praxis, der Zustrom aus Kriegs- und Krisengebieten aber größer denn je. Waren es Ende 2013 noch 112 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die in der Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) anlandeten, verdoppelte sich deren Zahl im Dezember letzten Jahres auf 238.

Eine Möglichkeit der Unterbringung sind Gastfamilien. Vorausgesetzt, sie eignen sich. Für die Zeit der Inobhutnahme erhalten sie einen Tagessatz von 61 Euro. Wer einen minderjährigen Flüchtling mittel- oder langfristig in Vollzeitpflege aufnimmt, erhält das ortsübliche Pflegegeld von derzeit 945 Euro monatlich plus individueller Zulagen. Bewerberfamilien aus Karlsruhe betreut und berät der Pflegekinderdienst unter den Telefonnummern 0721/133-5115 oder -5062. -maf-

 
 

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