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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 5. Juni 2015

Hochwasserschutz: Polder-Planung geht voran

Das Regierungspräsidium informierte in Daxlanden über Rückhalteraum

Der geplante Polder Bellenkopf/Rappenwört ist einer von vier Hochwasserrückhalteräumen innerhalb des Integrierten Rheinprogramms beim Regierungsbezirk Karlsruhe. 2011 wurde der Antrag auf Planfeststellung gestellt und mittlerweile umfassen die Unterlagen mehr als 35 Ordner.

Kürzlich lud das Regierungspräsidium mit etlichen Experten zu einer Info-Veranstaltung nach Daxlanden ein. Von Mitte Juni wird für einen Monat die Offenlage des Projekts erfolgen. Die Antragsunterlagen werden dann bei den betroffenen Kommunen Karlsruhe, Rheinstetten und Au am Rhein ausgelegt.

Allgemeine Infos zum Planungstand gab Horst Kugele vom Regierungspräsidium den rund 70 Anwesenden. Der 510 Hektar große Polder soll im Falle eines Hochwassers 14 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen. Über fünf Ein- und Auslaufbauwerke im Rheinhauptdamm soll der Polder kontrolliert werden. Kugele hofft, dass bis 2017 ein Planfeststellungsbeschluss erfolgt. Anschließend sollen die Bauarbeiten beginnen (geschätzte Bauzeit: sechs Jahre). „Es geht nicht um Panikmache. Aber dass wir vom Hochwasser 1999 am Oberrhein verschont blieben, war einfach Glück. Wir brauchen diesen Hochwasserschutz, auch wenn es im Einzelfall noch Diskussionsbedarf gibt", so Kugele.

Insgesamt sind 590 Bauwerke von dem Polder-Bau betroffen. Geplant ist, 300 davon zu erwerben. Die L566 soll neu gebaut, der Damm saniert, der Verbindungsdamm neu errichtet, Spundwände hoch gezogen und Grünbrücken gebaut werden sowie etliche naturschutztechnische Optimierungen erfolgen. Brunnen, Drainagen und Teiche in der Fritschlach zählen ebenso dazu wie ein Rollladen-System für die Kanuten der Rheinbrüder als Durchfahrt - insgesamt 180 Einzelmaßnahmen. Ein besonderes Augenmerk wird auf den Artenschutz gelegt. So wurden auf dem Areal fünf Wildkatzen nachgewiesen. Amphibienquerungen sind ferner eingeplant. Allerdings werden auch Bäume fallen, ein Wildgehege muss den Platz räumen und der Fermasee wird für Badende nur noch eingeschränkt nutzbar sein.

„Insgesamt sorgt diese Renaturierung jedoch dafür, dass wir wieder eine historische Auenlandschaft wie in den 20er und 30er Jahre bekommen", so Umweltexperte Andreas Ness von IUS Heidelberg. Allerdings könnten die ökologischen Flutungen auch für Schnaken-Brutstätten sorgen. Um dies zu verhindern, sollen verstärkt Schnakenbekämpfer tätig werden. Das Areal werde für Spaziergänger rund 300 Tage im Jahr begehbar sein und erhalte als Naherholungsgebiet neue Facetten. In der Diskussion, ging es um Eigentumsverhältnisse aber auch um generelle Kritik, unter anderem zum Dammbau. -voko-

 
 

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