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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 19. Juni 2015

Ausstellung im GLA: Vor Ort Realität erkennen

REPRÄSENTATIV: Das  Porträt Karoline Luises erklärt Kurator Zimmermann. Foto: Fränkle

REPRÄSENTATIV: Das Porträt Karoline Luises erklärt Kurator Zimmermann. Foto: Fränkle

 

Wie Karoline Luise reiste

Sich endlich ein eigenes Bild über Orte und Länder machen, die sie sich zuvor nur im Briefwechsel, über Bilder und Literatur erschlossen hatte, konnte Markgräfin Karoline Luise schwangerschaftsfrei erst in den letzten 20 Jahren.

Ihren Europareisen gilt bis 16. Oktober im Generallandesarchiv die Schau "En Voyage". Einfühlsam konzipiert hat sie Hausherr Prof. Dr. Wolfgang Zimmermann als 17. Kapitel der Landesausstellung  "Die Meistersammlerin" in enger Zusammenarbeit mit der Kunsthalle.

Herausgegriffen hat er Fahrten nach Paris 1771 und 1783, in die Obere Markgrafschaft  1773 und nach Norditalien 1780. Zunächst als Bildungsreise für Erbprinz Karl Ludwig und seinen Bruder Friedrich gedacht, wuchs sich die erste Parisreise zu einem dreimonatigen Familienausflug aus - penibel geplant, wie Reisekostenabrechnung und Münzwaage zur Wertermittlung der unterschiedlichen Währungen.

Aus dem Tagebuch des Erbprinzen geht hervor, dass Karoline Luise vor allem Galerien, Künstlerateliers und die tonangebende Kulturelite, darunter Marie Thérèse Geoffrin und  Claude-Henri Watelet besuchte. Von ihren Einkäufen zeugen ein vergoldeter, frühklassizistischer Kerzenleuchter oder Informationen über die Pariser Mode mit Stoffproben ihres Agenten Pierre Philippe Maelrondt.

Nach der Wiedervereinigung der zwei badischen Landesteile (1771) diente die Reise in die Oberlande dem Kennenlernen von Land, Leuten und Regierungsaufgaben. Federzeichnungen zeigen Stationen wie die Schlösser  Favorite und Röttelen oder die gerade entdeckten Ruinen der römischen Thermen in Badenweiler. Vom Besuch des  Eisenwerks in Kandern haben sich Wiegezettel erhalten - die eher kleine "Serenissima" wog fast 77 Kilo.

Den Traum von der klassischen Bildungsreise erfüllte sie sich erst drei Jahre vor ihrem Tod, begleitet vom ebenfalls Kunst liebenden Friedrich. Der schwärmte im Bericht seines Erziehers, vorgeprägt durch die ebenfalls präsentierte Reiseliteratur, etwa von Giambattista Albrizzi,  vom "ungemein schönen Himmel in strahlendem Azurblau".

Ein eigenes Kabinett  ist schließlich der zur Erholung verordneten Paristour gewidmet, auf der  Karoline Luise am 8. April 1783 starb. Im letzten Brief kündigen fahrige Schrift und ungewöhnlich Fehler die beiden Schlaganfälle an. Porträts zeigen die immer noch topmodisch frisierte 60-Jährige sowie sich gegenseitig stützend, den trauernden Erbprinzen und Gatten Karl Friedrich. -cal-

 
 

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