Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 3. Juli 2015

Festivalsommer: „Heranpirschen an die Vollendung“

WAS IST GUTE KUNSTKRITIK? Kritisieren könne nur, wer möge, was ein Künstler mache und es nachvollziehen könne, sagte Lüpertz. Kritikwürdig sei, wenn ein Künstler im Rahmen seiner Möglichkeiten nachlasse. Foto: Bastian

WAS IST GUTE KUNSTKRITIK? Kritisieren könne nur, wer möge, was ein Künstler mache und es nachvollziehen könne, sagte Lüpertz. Kritikwürdig sei, wenn ein Künstler im Rahmen seiner Möglichkeiten nachlasse. Foto: Bastian

 

Stadtgespräche im Pavillon: Der Künstler Markus Lüpertz stellte sich Fragen

Interkulturell, interdisziplinär, kontrovers und vor allem unterhaltend sollen die acht Stadtgespräche während des Festivalsommers im KA300-Pavillon sein. Immer mittwochs um 19.30 Uhr werden Themen behandelt, die Karlsruhe und seine Bürgerinnen und Bürger beschäftigen.

Der Auftakt mit Markus Lüpertz jedenfalls sorgte für Besucherschlangen am Eingang, vollbesetzte Ränge und war bestens dazu angetan, Lust auf mehr zu machen. Mit den Cicero-Redakteuren Christoph Schwennicke und Alexander Marguier unterhielt sich der  „Bohémien“ über sein Verständnis von Ästhetik, sein Leben für die Kunst und die Kunst des Lebens. Seit den frühen 70er Jahren ist der Maler, Grafiker und Bildhauer Karlsruhe verbunden. Er war von 1974 bis 1986 Professor an der Kunstakademie und bewohnt mit seiner Familie das Gebäude einer ehemaligen Pferdeklinik.

Lüpertz sehen und hören, das ist großes Kino. Sonore Stimme, untadelige Haltung, dazu Gehstock, Robe und Einstecktuch. Während seiner Akademie-Zeit seien Künstler in der Stadt sichtbar und allein die Karnevalsfeste „legendär“ gewesen und „natürlich hatte das was mit mir zu tun“. Karlsruhe sei ihm Muse und warum das so ist, beschrieb er in einem frühen Gedicht: „Stadt und die Möglichkeiten knipsten das Licht an, wärmten mich mit südlichem Charme und idyllischen Plätzen“.

Schon immer wollte er Maler werden, „ich hatte nie etwas anderes im Kopf.“ Ein Besessener, angetrieben vom „Heranpirschen an die Vollendung“. Malerei liefere die optische visuell-ästhetische Erklärung der Welt, der Reiz der Dinge werde dem Betrachter erst durch sie bewusst. Würden Bilder jedoch nicht wirklich wahrgenommen, erblindeten sie. Gefragt nach Tipps für Karlsruhes Stadtväter kommt Lüpertz auf Architektur zu sprechen. Hier werde an Funktionalität, nicht aber an „Schönheit“ und die Menschen gedacht. Oft handle es sich bei Neubauten um „böswillige individuelle Äußerungen“, die alle Harmonie zerstörten.

Zusammengestellt hat die Reihe das Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale (KIT). Am 8. Juli geht es darum, wie aus den Flüchtlingen von heute Neugründer von morgen werden können. Gäste sind Integrationsministerin Bilkay Öney, der Unternehmer Wolfgang Grenke, die Autorin Mehrnousch Zaeri-Esfahani und Angelika von Loeper vom Flüchtlingsrat Baden-Württemberg. -maf-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe