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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 3. Juli 2015

Geschichte: Tote und Verletzte

NEBEN TOTEN UND VERLETZEN gab es große Schäden. Bild: Stadtarchiv

NEBEN TOTEN UND VERLETZEN gab es große Schäden. Bild: Stadtarchiv

 

Am 15. Juni 1915 erster französischer Fliegerangriff

Am 15. Juni 1915 um 3.11 Uhr morgens stiegen vom Flugplatz Malzéville bei Nancy 23 französische Flugzeuge mit dem Befehl auf, die badische Hauptstadt zu bombardieren. Vorausgegangen waren deutsche Bombenabwürfe auf ebenso offene französische und englische Städte, darunter auch Nancy, wie Karlsruhe eine war.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs hatte noch keine Kriegsnation über eine organisierte Luftwaffe verfügt. Die ersten Angriffe gegen zivile Ziele flog die deutsche Seite, während das französische Militär sich zunächst auf militärische  Ziele und Aufklärung konzentrierte. Die rasch aufgebauten französischen Kampfgeschwader flogen erstmals im Mai 1915 einen Angriff auf eine deutsche Stadt – auf Ludwigshafen. Die zwölf Getöteten und 28 Verletzten dabei hätten Warnung sein müssen, wie gefährdet  Zivilisten durch diese neue Waffengattung waren.

Doch in Karlsruhe war die Bevölkerung noch arglos, obwohl die Behörden vor Aufenthalten im Freien gewarnt hatten und seit April auf dem Rathaus und an anderen Gebäuden Warnsirenen angebracht waren.

Am 15. Mai hatten sie erstmals Fliegeralarm gegeben. An jenem  15. Juni aber blieben sie wegen einer Telefonstörung stumm. Viele Menschen liefen neugierig ins Freie, als die von Hagenau kommenden Flieger um 6.05 Uhr Karlsruhe erreicht hatten. Rasch warfen die ihre tödliche Fracht zwischen neuem Hauptbahnhof und Schloss ab: etwa 120 Granaten.

Dieser erste Luftangriff auf Karlsruhe kostete 30 Menschen das Leben, 50 wurden verletzt. 21 Flugzeuge landeten um 8.10 Uhr wieder auf ihrem Geschwaderstandort, ein französisches Flugzeug war beim Rückflug abgestürzt, ein anderes bei Straßburg notgelandet.

Dieser Luftangriff blieb der einzige in jenem Jahr auf Karlsruhe, war aber von allen bis 1918 folgenden der mit der größten Bombenfracht. Der zweite Angriff auf Karlsruhe, am 22. Juni 1916, sollte mit 120 noch viel mehr Menschenleben kosten. Bis 1918 verloren so insgesamt 168 Menschen in Karlsruhe ihr Leben. -jsk-

 
 

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