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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 7. August 2015

Partnerschaften: OB Mentrup begleitete Innenminister Gall auf Reise ins rumänische Banat

TIERSCHUTZKOOPERATION: Die OBs Dr.-Ing. Nicolae Robu (Temeswar, links) und Dr. Frank Mentrup (Karlsruhe) vereinbarten Zusammenarbeit. Foto: pr

TIERSCHUTZKOOPERATION: Die OBs Dr.-Ing. Nicolae Robu (Temeswar, links) und Dr. Frank Mentrup (Karlsruhe) vereinbarten Zusammenarbeit. Foto: pr

DOPPEKTER BACHALOR: Die Rektoren Prof. Dr. Karl-Heinz Meisel (HS KA, 2.v.l.) und Prof. Dr. Marilen Gabriel Pirtea (West-Universität Temeswar (Mitte) unterschrieben Vereinbarung. Foto: Pr

DOPPEKTER BACHALOR: Die Rektoren Prof. Dr. Karl-Heinz Meisel (HS KA, 2.v.l.) und Prof. Dr. Marilen Gabriel Pirtea (West-Universität Temeswar (Mitte) unterschrieben Vereinbarung. Foto: Pr

DAS HEIMATMUSEUM BILLED: Besuch der Delegationsmitglieder. Foto: Müller

DAS HEIMATMUSEUM BILLED: Besuch der Delegationsmitglieder. Foto: Müller

VOLL FUNKTIONSFÄHIG: Die Feuerwehr von Sanktanna hat jetzt ein Fahrzeug aus den Beständen der Landesfeuerwehrschule. Foto: pr

VOLL FUNKTIONSFÄHIG: Die Feuerwehr von Sanktanna hat jetzt ein Fahrzeug aus den Beständen der Landesfeuerwehrschule. Foto: pr

BEEINDRUCKT VON DER TRADITIONSPFLEGE: OB Dr. Mentrup (rechts) bei der Kichweihfeier. Foto: pr

BEEINDRUCKT VON DER TRADITIONSPFLEGE: OB Dr. Mentrup (rechts) bei der Kichweihfeier. Foto: pr

 

Temeswar und Billed auf dem Besuchsprogramm / Zusammenarbeit im Tierschutz vereinbart

Auf Einladung des Innenministeriums Baden-Württemberg begleitete der Karlsruher Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup Innenminister Reinhold Gall auf einer viertägigen Delegationsreise ins rumänische Banat.

Themen waren die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Westrumänien, ebenso die Situation der in ihrer Heimat verbliebenen Banater Schwaben und die Integration dieser Nationalen Minderheit in die gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung des Landes. Ausgangspunkt war die Großstadt Temeswar, seit 1997 offizielle Partnerstadt von Karlsruhe.

Besuche bei deutschen Firmen standen auf dem Programm, Treffen mit dem Demokratischen Forum der Deutschen, Besichtigungen der auch von der Bundesrepublik finanziell unterstützten Sozial- und Alteneinrichtungen der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung, Teilnahme an der 146. traditionellen Kirchweih' in Sanktanna, die Übergabe eines Feuerwehrfahrzeuges, der Abschluss einer Hochschulkooperation zwischen Karlsruhe und Temeswar sowie die Teilnahme an der Wiedereröffnung der Basilika von Maria Radna, dem bedeutendsten Wallfahrtsort der Katholiken in Westrumänien durch den Gesandten des Papstes, den emeritierten Kölner Kardinal Joachim Meisner.

Zusammenarbeit im Tierschutz vereinbart

In einem Zusatzprogramm auf Wunsch des Oberbürgermeisters unterzeichneten er und sein Amtskollege Dr.-Ing. Nicolae Robu eine gemeinsame Vereinbarung zur Zusammenarbeit im Tierschutz mit dem Ziel der Reduzierung der Straßenhundepopulation und Mentrup wie Innenminister Gall besuchten die kleine Gemeinde Billed und besichtigten vorab das kleine Heimatmuseum des Ortes, das Ende August zur 250-Jahr-Feier der Öffentlichkeit übergeben wird. Viele der deutschstämmigen Billeder, die insbesondere seit der Wende 1990 ihre Heimatgemeinde verlassen haben, sind in und um Karlsruhe herum heimisch geworden. Für Mentrup war es in Temeswar und Billed bereits der zweite offizielle Besuch seit seinem Amtsantritt.

Themen der Städtekonsultation waren die Zusammenarbeit Karlsruher Schulen mit dem deutschsprachigen Nikolaus-Lenau-Lyzeum, die Bewerbung von Temeswar zur Kulturhauptstadt Europas 2021 und die Vereinbarung gemeinsamer Sozialprojekte mit EU-Mitteln zusammen mit der französischen Stadt Mulhouse. Mentrup wurde vom Direktor der Europäischen Schule Karlsruhe und Stadtrat Tom Hoyem begleitet, dessen Institution über die längsten Erfahrungen in dieser Zusammenarbeit verfügt. Beide nahmen auch an Teilen des großen mehrtägigen Stadtfestes der Stadt Temeswar teil und trafen Delegationen aus dem serbischen Novi Sad und dem polnischen Lublin, weiteren Partnerstädten der Hauptstadt des Banat.

Das kulturelle Erbe der Vielvölkerregion im Grenzland zu Ungarn und Serbien, der selbstverständliche Umgang mit verschiedenen Muttersprachen wie etwa die Dreisprachigkeit bei Gottesdiensten und in offiziellen Festakten mit Deutsch, Ungarisch und Rumänisch und die Aufbruchstimmung im Westen Rumäniens begeisterten Mentrup einmal mehr.

Spannend auch, dass das deutsche Brauchtum immer selbstverständlicher in die nationale Identität Rumäniens integriert wird und sich auch die rumänischstämmigen Bürgermeister in der Selbstdefinition ihrer Gemeinde darauf berufen, selbst wenn die deutschstämmige Bevölkerung mittlerweile nur noch einen verschwindend geringen Bevölkerungsanteil bildet. Auffallend auch, wie schwer den oftmals älteren offiziellen Vertretern des Demokratischen Forums der Deutschen diese Entwicklung fällt.

Und nicht zuletzt begeisterte Mentrup die enge Kooperation der Banater Schwaben und Gemeinden vor Ort mit ihren nach Deutschland ausgesiedelten Landsleuten. So traf er in Billed aber auch bei der Kirchweih' in Sanktanna Bürgerinnen und Bürger aus Karlsruhe, Bruchsal und dem Kraichgau, die dort als Zuschauer, Musiker oder im Rahmen der Brauchtumspflege teilnahmen. "Wir haben hautnah ein wunderbares Stück Europa erlebt, mit den heute unbegrenzten Möglichkeiten der internationalen Zusammenarbeit, dem intensiven Zusammenhalt über alle inneren und äußeren Grenzen hinweg und den großen Chancen für eine gemeinsame positive Entwicklung durch das friedliche Zusammenleben und vor allem Zusammenwirken der Kulturen", so das Stadtoberhaupt.

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Temeswar

Bei einer Delegationsreise des Baden-Württembergischen Innenministers ins rumänische Banat trugen sich Minister Reinhold Gall und Karlsruhes Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup ins Goldene Buch der Stadt Temeswar ein. Vorangegangen war ein freundschaftlicher Austausch über die kulturellen Beziehungen zwischen Baden-Württemberg, Karlsruhe und der Hauptstadt des Banat, wie sie etwa über das deutschsprachige Nikolaus-Lenau-Lyzeum seit Jahren intensiv gepflegt werden. Im Anschluss unterzeichneten die beiden Stadtoberhäupter Mentrup und sein Amtskollege Dr.-Ing. Nicolae Robu eine Vereinbarung der Städte zur Zusammenarbeit im Bereich des Tierschutzes, hier insbesondere der Durchführung von Projekten zur Reduzierung der Straßenhundepopulationen etwa durch Kastrationsprogramme.

Temeswar und Karlsruhe sind seit 1997 offizielle Partnerstädte und so standen Themen wie die geplante gemeinsame Projektarbeit auf EU-Ebene im Sozialbereich zusammen mit der französischen Stadt Mulhouse ebenso auf dem Programm einer kleinen Konsultation am Rande der Baden-Württemberg-Delegationsreise, wie die Unterstützung der Bewerbung Temeswars um die Kulturhauptstadt 2021 oder die Einladung zu den Feierlichkeiten im nächsten Jahr anlässlich des 300. Jahrestages der Neugründung Temeswars nach der Eroberung durch österreichische Truppen im Jahr 1716.

Hochschulen intensivieren Kooperation: Doppelter Bachelor-Abschluss für Wirtschaftsinformatik vereinbart

In Anwesenheit des Innenministers von Baden-Württemberg Reinhold Gall und des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk, MdB, wurde am 31. Juli 2015 in einem beeindruckenden Festakt ein weiteres Kapitel der intensiven Hochschulkooperation zwischen der West-Universität in Temeswar und der Hochschule für Technik und Wirtschaft Karlsruhe aufgeschlagen.

Die Rektoren Prof. Dr. Marilen Gabriel Pirtea und Prof. Dr. Karl-Heinz Meisel unterschrieben ein Abkommen, das den Doppel-Abschluss des Bachelors für Wirtschaftsinformatik ermöglicht. Bereits 25 Studierende in Rumänien haben sich eingeschrieben, sie werden, so nötig, durch Stipendien des Deutschen Wirtschaftsclubs Banat unterstützt, um ihren damit verbundenen einjährigen Aufenthalt in Karlsruhe zu finanzieren.

Umgekehrt können Karlsruher Studierende Praktika bei deutschen Firmen und in der West-Universität in Temeswar absolvieren. Bereits jetzt gibt es zwischen der Karlsruher Hochschule einerseits und der West-Universität sowie dem Polytechnikum in Temeswar andererseits einen intensiven Austausch auf Studierenden- und Dozenten-Ebene, treibende Kraft ist der Studiengangsleiter und Auslandsbeauftragte der Elektro- und Informationstechnik an der Karlsruher Hochschule, der gebürtige Banater Prof. Dr.-Ing. Franz Quint, gleichzeitig Vorsitzender des Vereins der Freunde der Lenau-Schule Temeswar e.V. mit Sitz in Rastatt.

OB Dr. Frank Mentrup zeigte sich in seiner Ansprache begeistert von der intensiven Kooperation der Hochschulen, die immerhin die Folge der vielfältigen Beziehungen der Menschen zwischen dem Banat und der neuen Heimat Karlsruhe ist, jetzt aber auch die Bereiche Lehre und Forschung mit einbezieht und diese Verständigung an nachfolgende Generationen weitergibt: "Junge Menschen aus dem Banat und der Technologieregion Karlsruhe lernen sich kennen, lernen voneinander und bilden ein gemeinsames Europa - wissend um ihre Traditionen und verantwortlich für eine gemeinsame Zukunft", fasste es das Stadtoberhaupt zusammen.

Besuch in Billed: Heimatmuseum eröffnet im August zur 250-Jahr-Feier

Auf Anregung des Karlsruher Oberbürgermeisters Dr. Frank Mentrup stattete Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall auf seiner viertägigen Delegationsreise ins rumänische Banat auch der kleinen Gemeinde Billed einen Besuch ab. Viele der seit 1990 von dort ausgewanderten Deutschen haben in Karlsruhe und Umgebung ihre neue Heimat gefunden, vielfältig sind die persönlichen Beziehungen geblieben, wie sich OB Mentrup schon bei seinem ersten Besuch im vergangenen Jahr überzeugen konnte.

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Christian David trugen sich Mentrup und Gall ins Goldene Buch ein, anschließend durften sie bereits einen Blick in das kleine Heimatmuseum werfen, das das Demokratische Deutsche Forum eingerichtet hat, und das erst Ende August 2015 zur 250-Jahr-Feier des Ortes offiziell eröffnet wird. Hier trafen sie auch den Karlsruher Vorsitzenden der Banater Schwaben, Werner Gilde, sowie den städtischen Mitarbeiter Norbert Müller, bekannt aus der Karlsruher Fastnacht wie aus dem Banater Kulturschaffen in der Fächerstadt, und wie Gilde auch ein gebürtiger Billeder, die das Museum tatkräftig mit eingerichtet haben. In der Sozialstation, das durch die Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung betrieben wird, folgte die Delegation dann einer Einladung zum gemeinsamen Abendessen durch den örtlichen Vorsitzenden des Deutschen Forums und Stadtrat Adam Csonti.
- Fotos wollte Norbert Müller direkt ans PIA schicken , es gibt auch welche unter www.heimathaus-billed.de

Löschfahrzeug mit KA-Kennzeichen für Sanktanna

Mit Feuer hat das kleine Städtchen Sanktanna im nördlichen Banat so seine leidvollen Erfahrungen, in der rund 700 jährigem Geschichte wurde es zweimal durch Großbrände komplett zerstört. Kein Wunder, dass es hier mittlerweile eine stolze Feuerwehrtradition gibt, in der vielfache internationale Kontakte geknüpft wurden. Die 146. Kirchweih' am 1. August 2015 mit Gottesdienst und Prozession, eines der überregional bedeutendsten Feste Banater Brauchtums nutzte denn auch Baden-Württembergs Innenminister und bekennender aktiver Feuerwehrler Reinhold Gall zur Übergabe eines weiteren Löschfahrzeugs an die rumänische Gemeinde. Das voll funktionstüchtige Fahrzeug hatte bislang zu Ausbildungszwecken an der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal seinen Dienst verrichtet und wird jetzt auf seine 'alten Tage', immer noch "spritzig" jung und hoffentlich nicht zu oft, in Sanktanna in den aktiven Dienst treten.

Mit Stolz registrierte der Karlsruher OB und Vorsitzender der Technologieregion Dr. Frank Mentrup diese spendable Geste des Landes und das weithin sichtbare KA-Kennzeichen und freute sich auf einen sympathischen Botschafter "seiner" Region im Banat, das über seine Menschen sowieso in engem Kontakt mit der Region um Karlsruhe herum steht. So wurde der OB etwa bei der Prozession aus der Menge heraus von der Durlacherin Anna Werneburg namentlich begrüßt, ebenso wohnen zwei der Blasmusiker der Festkapelle in Neureut bzw. Bruchsal - alle waren wegen der Kirchweih' extra angereist.

Gesandter des Papstes eröffnete Wallfahrtskirche in Maria Radna

Höhepunkt der Delegationsreise des Baden-Württembergischen Innenministers Reinhold Gall durch das Banat war sicher das Hochamt zur Wiedereinweihung der Wallfahrtskirche Maria Radna durch den offiziellen Gesandten des Papstes, den emeritierten Kölner Kardinal Joachim Meisner. In Anwesenheit auch des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk, MdB, des Deutschen Botschafters in Rumänien, Werner Hans Lauk und in einer Live-Übertragung des Rumänischen Fernsehens verfolgten Tausende von katholischen Pilger aus Rumänien, Ungarn und Deutschland in und vor der Basilika die würdevolle, dreisprachige, nach Aussage von Kardinal Meisner durchaus 'himmlische' Veranstaltung. Die Themen Interkulturalität und Interreligiösität in Europa, wie sie in Sprachen, Ritualen und Traditionen ihren vielfältigen Ausdruck finden, waren auch hier durchgängige Themen der offiziellen Reden wie der vielen persönlichen Gesprächen. -red-

 
 

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