Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 14. August 2015

VBK: Frage der Gesellschaft, Nahverkehr zu bewerten

 

Erste Bilanz der neuen VBK-Geschäftsführer, Fahrzeugerneuerung, wachsende Kosten: Preisanpassung

„Ich habe das Gefühl, schon zehn Jahre hier zu sein“, konstatierte Dr. Alexander Pischon, kaufmännischer Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK). Sein technisches Pendant, Ascan Egerer, sprach nach einem intensiven, erfolgreichen ersten Jahr vom Gefühl, „nie etwas Anderes gemacht zu haben.“

Beide blicken als Führungsteam, zu dem zwei Prokuristen zählen, zurück und voraus: Zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember steigen die Fahrpreise des Karlsruher Verkehrsverbunds im Schnitt um 2,9 Prozent. Eine moderate Anpassung sei dies (Details dazu separat im nächsten Beitrag).
Dem stehen größer werdende Herausforderungen gegenüber:

Flottenerneuerung, Barrierefreiheit (bis zu einer Million pro Haltestelle, bis 2022 sollen alle Stationen umgebaut sein) und Personalengpass führen zu wachsendem Defizit. Pischon betonte dennoch: „Wir haben uns Transparenz auf die Fahnen geschrieben. Alle müssen diese Kultur leben.“

In der Belegschaft als Mannschaft dürfe auch keiner davor Angst haben, Probleme zu schildern, ehe sie dem städtischen Unternehmen über den Kopf wachsen, so Egerer. Das soll auch nicht mit den, die Einnahmen gegenwärtig um rund 30 Millionen Euro übersteigenden Ausgaben geschehen.

Neue Bahnen: 150 Millionen

Ohne Gegensteuern wird die Kluft zunehmen. Einsparungen seien unvermeidlich, betriebsbedingte Kündigungen aber ausgeschlossen. „Ihr bleibt alle an Bord, aber wir müssen besser werden“, habe die Belegschaft jüngst erfahren. Das Beschlossene und existenziell Notwendige wie die Neubeschaffung von 50 Niederflur-Bahnen à drei Millionen Euro oder die Modernisierung noch fahrtauglicher Fahrzeuge für je 400.000 Euro kostet viel Geld, und die Personalkosten steigen.

Die gesamtgesellschaftlichen Fragen lauteten, so Pischon: „Können wir es uns weiter leisten, ein günstiger Verband zu sein, oder müssen wir uns doch anpassen? Was ist uns der Nahverkehr wert?“ Die Stadt Nürnberg habe einmal zwölf Prozent in einem Jahr aufgeschlagen, berichtete Pischon: „Das Meiste wurde auch wirklich so umgesetzt. Es gab einen Aufschrei, de facto haben sie aber festgestellt, sie kriegen es anders nicht mehr finanziert.“ Wien habe eine massive Unterdeckung mit der politischen Entscheidung in Kauf genommen, die Jahreskarte für nur mehr 365 Euro zu verkaufen: „Von den Fahrgastzahlen her ein toller Erfolg, kaufmännisch - schwierig.“

Rund zwei Prozent weniger Fahrgäste beförderten die VBK 2014. Nicht die Baustellen, sondern sinkende Schülerzahlen - im Ländlichen teils prozentual zweistellig - gelten als Grund. Sorgen bereitet auch der Fahrermangel, der im nächsten Frühjahr wieder ausgeglichen sei. Ausgebildete Kräfte gebe der Arbeitsmarkt praktisch gar nicht her, darum lernen die VBK und die Albtalverkehrsgesellschaft (AVG) selbst an, gruppenweise über je neun Monate. Die, deren Überstunden- und Urlaubskonten überlaufen, was auch zu wachsenden Krankenständen führt, sollen Entlastung finden. Ab November soll ein eigenes Fahrsimulationszentrum zum Einsatz kommen.

Nichr bei Fahrern sparen

„Die Fahrer sind schließlich unsere Visitenkarte“, unterstrich Pischon. Bei ihnen zu sparen, sei nicht sinnvoll. Relativ schnell nach Antritt hätten die Geschäftsführer einen Fehlbestand bei VBK und vor allem AVG festgestellt und eine Verdopplung der Neueinstellungen auf rund 70 Fahrer beschlossen. Zurzeit sind auch Leiharbeiter beschäftigt. Extremsituationen würden selbst die Sollzahl überfordern. Während der Grippewelle seien zu 50 Urlaubern 70 Kranke hinzugekommen - „da haben Sie keine Chance“, warb Pischon um Verständnis.

Nicht zuletzt sollen die Kunden wieder flächendeckend zuverlässig von A nach B gebracht werden. Damit sie Bescheid wissen, sollen auch die Anzeigen stärker automatisiert und so unmittelbar aktualisiert werden. Das Karlsruher Modell stößt indes regional an Grenzen, aber Interesse aus Brasilien und Jordanien zeige, dass es nach wie vor große Vorbildfunktion habe, so Egerer. -mab-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe