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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 9. Oktober 2015

Doppelausstellung: Schmunzeln über ganz ungewohnte Perspektiven

IM STADTMUSEUM betrachten Kurator Dr. Peter Pretsch, Kulturamtschefin Dr. Susanne Asche und Archivleiter  Dr. Ernst Otto Bräunche die Schau. Foto: Fränkle

IM STADTMUSEUM betrachten Kurator Dr. Peter Pretsch, Kulturamtschefin Dr. Susanne Asche und Archivleiter Dr. Ernst Otto Bräunche die Schau. Foto: Fränkle

IM PFINZGAUMUSEUM betrachten OB Dr. Mentrup (r) und die Kuratoren Dr. Alexandra Kaiser und Dr. Ferdinand Leikam die Schau. Foto: Fränkle

IM PFINZGAUMUSEUM betrachten OB Dr. Mentrup (r) und die Kuratoren Dr. Alexandra Kaiser und Dr. Ferdinand Leikam die Schau. Foto: Fränkle

 

„Genug gejubelt!?“ im Stadt- und Pfinzgaumuseum über Pleiten, Pech und Glücksfälle

Genug gejubelt!? Reicht es nun nach durchaus anstrengen Feiermonaten? Augenzwinkernd legen die Kuratorinnen und Kuratoren von Stadtarchiv, Stadt- und Pfinzgaumuseum bis 27. März nochmal nach.

Pleiten, Pech und Glücksfälle haben sie für die Doppelausstellung im Prinz-Max-Palais und in der Karlsburg ausgegraben - mit vielen Querverbindungen. Manchmal legen sie sich auch gar nicht fest, das Publikum soll entscheiden, ob es sich um Glück oder Unglück handelte. Wenn es vor blau hinterlegten Texten steht, kann es mit Jetons abstimmen

So im Stadtmuseum, wo sich Neureuts Widerstand gegen die Eingemeindung nach vielen Demonstrationen und zwei Abstimmungen als zwecklos erweist. Hätte sich der heute als Wohnort geschätzte Stadtteil als eigenständige Landgemeinde besser entwickelt, wenn Otto (OB Dullenkopf) die Finger weggelassen hätte? Und leuchtet einem Grün entgegen, geht´s ums Glück.

Schwein gehabt haben all die Rocker, Popper, Hipster, Computerfreaks und Nerds, die seit 2006 Schweine und Rinder aus dem Schlachthof vertrieben haben, um dort ihrer Kreativität zu frönen. Ein besonders gefräßiges Tier hat es allerdings bis ans Ende der Schau geschafft. Es will sich Spenden für ein neues Stadtmuseum im sanierungsbedürftigen Haus einverleiben.

Die Alarmglocken schrillen, wenn es rot wird. So verhinderte der mit einem Lorbeerkranz gekrönte Theaterintendant Eduard Devrient 1861 die Ansiedlung eines Konkurrenten – Richard Wagner – Pech für die Stadt. Der Komponist hatte Großherzog Friedrich I angeboten, seine künstlerischen Fähigkeiten und seine Werke dem Hoftheater zur Verfügung zu stellen. Schließlich brachte es Karlsruhe dann unter Felix Mottl doch noch zu „Klein-Bayreuth“, indem viele seiner Sänger und Musiker bei den Festspielen im Bayrischen auftraten.

Und dann blinkt noch Gelb. Aber da muss man genau hinsehen, denn das im Pfinzgaumuseum ausgestellte Nudelholz, mit dem Magadlene Wilhelmine ihrem stets ausbüchsenden Gatten Karl Wilhelm die Leviten gelesen haben soll – ein Fake. Genauso wie das Gesuch der Stadt Karlsruhe, doch endlich nach Durlach eingemeindet zu werden, um genug vom köstlichen Turmbergwein abzukriegen.

Abstimmen kann man in der Karlsburg beispielsweise über das badische „Mia san mia“, den Durlacher Eigensinn, der zum 300. Stadtgeburtstag mit dem überdimensionalen Durlach-Schriftzug aufwartete. Der lässt Karlsruhe, wie OB Dr. Frank Mentrup bei der Eröffnung bemerkte, wie „eine kleine Siedlung erscheinen“. Aber hier handelt es sich ja um eine vorübergehende Fata Morgana, die Durlachs Pechs im Jahre 1689 nicht überdecken kann. Die Franzosen brannten es nieder, wovon der kleine Stich zeugt, der auch im Karlsruher Schloss die Dekoration für die Theaterinszenierung in der Karl-Wilhelm- Ausstellung lieferte. Das Ganze endete dann bekanntlich 1718 mit der Verlegung der Residenz nach Karlsruhe. Glück hatten die Durlacher aber dann doch, als sie 1881 den Anschluss an die Dampfbahnstrecke bekamen.

Die nächsten Führungen gibt es am Sonntag, 11. Oktober, 11.15 Uhr im Pfinzgaumuseum und um 14 Uhr im Stadtmuseum zum Kombieintrittspreis von vier Euro. -cal-

 
 

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