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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 16. Oktober 2015

Neubürger: Mit Einbürgerung zwei Heimaten im Herzen

NEUBÜRGER MIT ZWEI HEIMATEN: Regisseur Murad Atshan (rechts) mit Bürgermeister Lenz. Foto Fränkle

NEUBÜRGER MIT ZWEI HEIMATEN: Regisseur Murad Atshan (rechts) mit Bürgermeister Lenz. Foto Fränkle

 

Ein junges Paar mit Kleinkind posiert strahlend vor dem Spuler-Relief im Bürgersaal, andere filmen stolz die feierliche Musikdarbietung des Helmholz-Orchesters – die Einbürgerungsfeier ist für viele Neubürgerinnen und Neubürger ein ganz besonderes Ereignis.

Über 400 Menschen haben zwischen 1. April und 30. September auf eigenen Wunsch die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Mit der Einbürgerungsfeier im Karlsruher Rathaus würdigt die Stadt jedes Jahr all jene, die zum Teil schon lange hier leben, und heißt sie damit erneut willkommen. Karlsruhe werde seit der Gründung vor 300 Jahren von Zuwanderung geprägt und man sehe heute, „wie gut uns das getan hat“, sagte Bürgermeister Martin Lenz bei der zehnten Ausgabe der Veranstaltung angesichts der aktuellen Diskussion um Flüchtlinge in Deutschland.

Speziell Migranten aus Ländern, in denen Werte wie Achtung vor der Würde des Einzelnen, Gleichberechtigung, Respekt vor Andersdenkenden und Anderslebenden mit Füßen getreten würden, verteidigten diese umso vehementer. Die Gesellschaft sei offen für Veränderungen, sofern sie „in demokratischen Prozessen ausgehandelt werden“, betonte Lenz.

Stellvertretend für alle neu eingebürgerten Karlsruherinnen und Karlsruher ergriff der Regisseur Murad Atshan das Wort. Der gebürtige Iraker lebt seit 2006 in Deutschland. Nach der Flucht aus Bagdad habe er seine Heimat unwiederbringlich verloren geglaubt, „ich spürte deren Verlust schmerzlich“.

Aber Heimat sei mehr, so Atshan, „es sind deine Gedanken, deine Menschlichkeit, deine Identität, deine Kultur“. Deutschland „ist ein Teil von mir geworden“, der Einfluss zweier Länder „hat mir mehr gegeben als genommen“. Jetzt „bin ich ein freier Mensch, der in Sicherheit lebt und der in seinem Herzen zwei Heimaten hat“, schloss Murad Atshan. -maf-

 
 

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