Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 4. Dezember 2015

Inklusion: Leistung, nicht Behinderung zählt

DIE ERSTEN TRÄGER des Karlsruher Inklusionspreises nahmen BM Lenz, die Vorsitzende des Behindertenbeirats, Margit Schönfeld, und Behindertenkoordinatorin Marion Schuchardt in ihre Mitte.  Foto: Fränkle

DIE ERSTEN TRÄGER des Karlsruher Inklusionspreises nahmen BM Lenz, die Vorsitzende des Behindertenbeirats, Margit Schönfeld, und Behindertenkoordinatorin Marion Schuchardt in ihre Mitte. Foto: Fränkle

 

Erster Karlsruher Inklusionspreis vergeben / Gabriele Becker, SIVIS und Eltern für Inklusion bei Feierstunde im Rathaus ausgezeichnet

„Wir möchten ein außergewöhnliches Unternehmen bleiben. Nicht, weil wir körperbehinderte Menschen beschäftigen, sondern für unsere herausragenden Leistungen.“ So brachte der Geschäftsführer des IT-Unternehmens SIVIS, Bernd Israel, die Haltung zum Ausdruck, die alle umtreibt, die der Verleihung des ersten Karlsruher Inklusionspreises beiwohnten.

Israel behielt seinen Posten nach dem Verlust beider Beine und nahm nun mit einem seiner Programmierer den Preis im Bereich Wirtschaft entgegen. Denn die prämierte Firma stellte auch Vladislav Kutsenko nicht trotz Blindheit, sondern wegen seiner Fähigkeiten ein. Er arbeitet mit Vorlese-Bildschirm und Braille-Tastatur.

Bürgermeister Martin Lenz erinnerte im Bürgersaal zur „Feierstunde für diejenigen, die an Inklusion glauben“ an Karlsruhes Vorreiterrolle: erste Stadt des Landes mit Behindertenbeirat, und nun der auf Antrag des Gemeinderats ausgelobte Inklusionspreis. Den erhielt als Einzelperson Gabriele Becker, die als Blinde das Tandem-Projekt „Blind sehen, gemeinsam in die Zukunft“ etablierte. Ein sehender Pilot und ein blinder Mitfahrer begegnen sich gleichsam auf Augenhöhe, weil Becker nicht auf das Erlebnis verzichten wollte und es inzwischen vielen Anderen ermöglichte. Auch eine radelnde Teilnahme am Baden-Marathon schloss sich an. Die viele Jahre im städtischen Beirat für Menschen mit Behinderung Engagierte bedankte sich bei der Jury, „dass Sie sich dazu durchgerungen haben, mich auszuwählen“.

Ähnlich launig, aber auch kämpferisch, erklärte die Vorsitzende des als Organisation ausgezeichneten, seit 25 Jahren bestehenden Vereins Eltern für Inklusion (EFI), Dr. Isolde Brod-Rickmann, zum Preis: „Ich denke ja schon, wir haben ihn verdient. Schön, dass Sie das auch so sehen.“ Hartnäckigster Einsatz, Projekte wie „EFI tanzt“, dessen Ensemble dem Bürgersaal einheizte, „EFI zeigt Gesicht“, eine im Rathaus-Foyer anschließend eröffnete Ausstellung, und viel mehr lassen den Schluss von Laudatorin Mirja Kinnunen (Sozial- und Jugendbehörde) zu: „Ich bin sicher, dass das Leben in Karlsruhe ohne EFI weniger inklusiv wäre.“ -mab-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe