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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 27. Februar 2015

Kultur: Das 20. Jahrhundert auf der Anklagebank

SOGWIRKUNG: Der japanische Komponist und Künstler Ryoji Ikeda steuert zur „Globale“ im ZKM die audiovisuelle Installation Datenpfad bei. Foto: pr/Fernando Maguiera

SOGWIRKUNG: Der japanische Komponist und Künstler Ryoji Ikeda steuert zur „Globale“ im ZKM die audiovisuelle Installation Datenpfad bei. Foto: pr/Fernando Maguiera

OPTISCHE TÄUSCHUNGEN sind eine Spezialität des argentinischen Künstlers  Leandro Erlich. Foto: ZKM

OPTISCHE TÄUSCHUNGEN sind eine Spezialität des argentinischen Künstlers Leandro Erlich. Foto: ZKM

 

Stadtgeburtstag: „Globale“ thematisiert 300 Tage kulturelle Effekte von Globalisierung und Digitalisierung

Sie ist das Kunstereignis für Karlsruhe zum 300. Stadtgeburtstag im Juni, reicht aber weit darüber hinaus - die „Globale“.

Bis Mitte April 2016 befasst das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) sich und sein Publikum an 300 Tagen mit den kulturellen Effekten der Globalisierung und Digitalisierung und stellt die Frage nach der Zukunft der Moderne.

Allianz Kunst und Wissenschaft

Von der Info-Sphäre bis zur Exo-Evolution, von der Renaissance 2.0 bis zu Computerspielen mit globalen Bezügen -  Ausstellungen, Konzerte, Performances, Vorträge, Lesungen, Konferenzen und Symposien vermitteln die „zeitgenössische Allianz von Kunst und Wissenschaft“. Das ZKM habe dafür Künstler eingeladen, die die Welt nicht nur interpretierten, sondern sie zu verändern und umzugestalten suchten, sagte ZKM-Vorstand Peter Weibel.

Unterschiedliche Formate träten miteinander in Dialog, entwickelten Perspektiven für die digitale Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Dabei fungiere Kunst nicht „als Luxusaccessoire“, sondern ermögliche ästhetische Erfahrungen, „die Sie anderorts nicht machen können.“
Und wie es sich für ein globales Großprojekt gehört, dehnt sich auch dessen Eröffnung aus. Auf ein ganzes Wochenende.

Auftakt ist am 19. Juni ein Tribunal, das die Gräuel des 20. Jahrhundertes und seine Verbrechen gegen Mensch, Tier und Natur geißelt. Inspiriert ist die Inszenierung von Kafkas Romanfragment „Der Proceß“, historische Vorbilder sind die Nürnberger Prozesse oder das Vietnam War Crimes Tribunal. Offizielle Vernissage der „Globale“ ist dann bei der Eröffnungsshow zum Stadtgeburtstag vor dem Karlsruher Schloss, tags darauf lädt das ZKM bei freiem Eintritt zum Besuch der Ausstellungen unter dem Titel „Exo-Evolution“, die verschiedene Themenkomplexe modular verknüpfen und aktuelle Erkenntnisse von Weltraumforschung, Nano-Wissenschaften und Bio Art einfließen lassen.

Projektionen und Klangwelten

Fotos von Armin Linke dokumentieren Auswirkungen der Globalisierung, Ryoji Ikeda präsentiert hypnotische Projektionen und Klangwelten, Klimaarchitekt Tetsuo Kondo steuert eine künstliche Wolke bei, und die Schau „Bodenlos“ widmet sich „Vilém  Flusser und den Künsten“. Kooperationspartner des ZKM ist bei alledem das Berliner Zentrum für politische Schönheit (ZPR). Aufsehen erregte die provozierfreudige Künstlertruppe bei den Feierlichkeiten zum 25. Jahrestags des Mauerfalls, bei der sie Gedenkkreuze für Mauertote sozusagen in Geiselhaft nahm und sie als Symbol für die Opfer der aktuellen Asylpolitik an die Außengrenze der EU brachte.

Aus dem Museum heraus tritt die „Globale“ mit „Die Stadt ist der Star“. Derzeit arbeiten Künstler an irritierenden Skulpturen und Installationen, bei denen laut Pressetext nicht zu unterscheiden ist, ob es sich „um eine künstlerische Intervention oder bautechnische Katastrophe, um Kunst oder Panne“ handelt.  -maf-

 
 

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