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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 27. Februar 2015

Übung: Wäre gut gegangen

ZIEL ERREICHT, durften Zugführer Holger Neufeld (links) und seine Kameraden nach übungsmäßiger Löschung und Rettung im Stadtbahntunnel feststellen. Die Simulation: „Giulia“ hatte Feuer gefangen. Foto: Fränkle

ZIEL ERREICHT, durften Zugführer Holger Neufeld (links) und seine Kameraden nach übungsmäßiger Löschung und Rettung im Stadtbahntunnel feststellen. Die Simulation: „Giulia“ hatte Feuer gefangen. Foto: Fränkle

 

Wehr und Bauleitung sehen sich für Ernstfall bei Tullbohrmaschine "Giulia" gerüstet

Mit Bahnbetrieb rechnet im heutigen Gerlinde-Tunnel noch niemand. Am Samstag war das anders. 10.04 Uhr: 50 Minuten nach Eintreffen der Einsatzkräfte am Durlacher Tor kehrt der Angriffstrupp um Feuerwehr-Zugführer Holger Neufeld zurück. Im Rettungscontainer, auf der eigens dafür bereitstehenden Lok - auch die drei Mineure sind an Bord.

Sie konnten geborgen werden, nachdem „Giulias“ Feuer um 9.55 Uhr gelöscht war. Tatsächlich ist die Tunnelvortriebsmaschine (TVM) in tadellosem Zustand, das Ganze war eine Übung für den als äußerst unwahrscheinlich geltenden Ernstfall. Äußerst zufrieden konstatierte Neufeld dennoch: „Wir sind vorbereitet.“ Er ist froh über die Erfahrung - bei sofort ausgeschalteter Lüftung, mit Wärmebildkamera bei null Sicht durch Disconebel und Wasservorhang an „Giulias“ Heck.

Eine TVM hat nur wenige Gefahrenquellen und kann sich löschen, Anfang Februar klappte das in Österreich aber nicht. Alle im Karlsruher Tunnel befindlichen maximal 20 Personen müssen einen Sauerstoffselbstretter bei sich führen. Wer es nicht zum Ausgang schafft, kann in den Rettungscontainer gehen und dort voll versorgt ohne Probleme bis zu zwölf Stunden ausharren.

„Darum besteht kein Grund zur Hektik“, erklärte der Pressesprecher der Branddirektion, Dr. Markus Pulm. „Sonst retten wir zuerst die Menschen. In diesem Fall sind sie sicher, ist sofortige Brandbekämpfung Menschenrettung.“ Maximal vier Stunden reichen die Atem-Kreislaufgeräte der Wehrleute. Wegen Anstrengung und Erhitzung aber nicht auszuhalten, so Neufeld.

Ausgebildet, ausgestattet ist Karlsruhes öffentliche Feuerwehr inzwischen auch Tunnelwehr - bei Tunneln von mehr als 200 Metern Länge zuständig. Wenn „Giulia“ einen Kilometer zurückgelegt haben wird, kommt ein zweiter Rettungscontainer dorthin, der andere bleibt bei ihr.

Sie brennt zurzeit höchstens darauf, weiterzumachen. In zwei bis drei Wochen soll es soweit sein. Ihre Routine-Pause am Marktplatz hat sich wegen oberirdischer Sicherungsmaßnahmen verlängert. Die Gelegenheit für die Feuerwehr. Sicherheit geht vor. Freilich auch nach Inbetriebnahme der Tunnels. Die in ihm fahrende Bahn soll bei Feuer auf der Strecke automatisch den nächsten Bahnhof ansteuern, auch die Notbremse daran nichts ändern.

Sollte sich während des Tunnelbaus jemand verletzen, hievt - auch das wurde durchgespielt - ein Kran den leer knapp 2000 Kilo schweren Container einfach aus der Grube. Gut 140 Wehrleute sind nach etwa 1.500 Stunden Aufwand gewappnet, das soll reichen. -mab-

 
 

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