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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 22. Januar 2016

Stadtgeschichte: Handschriften als Leidenschaft

ALFRED HOLDER: Schriften warten seine Passion. Bild: Stadtarchiv

ALFRED HOLDER: Schriften warten seine Passion. Bild: Stadtarchiv

 

Alfred Holder 1916 gestorben / Hauptwerk keltisches Wörterbuch

Alfred Holder, ehemaliger Direktor der Großherzoglichen Hof- und Landesbibliothek Karlsruhe, ist vor 100 Jahren, am 12. Januar. 1916, gestorben.

Geboren wurde Holder am 4. April 1840 in Wien als Sohn des Rastatter Porträtmalers Gottlieb Holder. Zwar weit weg zur Welt gekommen und häufig in ganz Europa auf wissenschaftlichen Exkursionen unterwegs, fühlte sich Holder doch stets eng mit seiner Badischen Heimat verbunden. Und mit seiner Arbeit als Philologe. Vor allem erforschte er die Sprachen des nordwestlichen Europa. Als sein Hauptwerk gilt der „Alt-celtische Sprachschatz“, das historische Wörterbuch des Keltischen nach Inschriften und Überlieferungen, dessen erster Band nach anderthalb Jahrzehnten Vorarbeit und zahlreichen Reisen 1894 erschien und das er unvollendet hinterließ.

Zu Holders 150. Geburtstag berichtet Karl Banghard in den BNN über eine Freundschaft Holders mit Josef Viktor von Scheffel, mit dem er beispielsweise das Walthari-Lied neu bearbeitet habe. Ein wichtiges Arbeitsgebiet für Alfred Holder war die Erforschung alter Handschriften, die in der Hofbibliothek aufbewahrt wurden. Vor allem widmete er sich den bereits vor der Säkularisation beschädigten Handschriften des Bodenseeklosters Reichenau.

Holder, der nach Studium in Bonn und Heidelberg und längeren Reisen nach Rom und Paris 1863 in den Schuldienst in Rastatt, den Niederlanden und Ladenburg eintrat, kam 1867 zur Karlsruher Bibliothek. Dort blieb er bis zu seinem Lebensende. 1870 zum Bibliothekar ernannt, übernahm Holder 1904 die Handschriftensammlung. 1906 erhielt er den Titel „Geheimer Rat“ und 1911 wurde er Direktor.

Bereits ab den 1860er Jahren entstand sein umfangreiches fachliterarisches Werk. Mehr als ein Dutzend Bücher entstammen seiner Feder. Ein Tag ohne zu schreiben war ein verlorener Tag für ihn. Und so starb er denn auch buchstäblich mit der Feder in der Hand. -erg-

 
 

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