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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 22. Januar 2016

Zoologischer Stadtgarten: Tierschutzprojekt Altersresidenz

ORTSBESICHTIGUNG: Landestierschutzbeauftragte Dr. Cornelie Jäger (rechts), Zooleiter Dr. Matthias Reinschmidt (links) und Elefantenpfleger Robert Scholz mit Shanti und Rani. Foto: Riedel

ORTSBESICHTIGUNG: Landestierschutzbeauftragte Dr. Cornelie Jäger (rechts), Zooleiter Dr. Matthias Reinschmidt (links) und Elefantenpfleger Robert Scholz mit Shanti und Rani. Foto: Riedel

 

Landestierschutzbeauftragte: großer Bedarf an Aufnahmeplätzen für Zirkus-Elefanten / Zooleiter Dr. Reinschmidt und Dr. Jäger tauschten sich zu Masterplan-Projekten aus

Der Karlsruher Zoo und die Landestierschutzbeauftragte Dr. Cornelie Jäger sehen gemeinsame Anknüpfungspunkte bei der im Zoo vorgesehenen Altersresidenz für Elefanten. „Für nicht mehr reisende Zirkus-Elefanten gibt es einen großen Bedarf an Aufnahmeplätzen“, betonte Dr. Jäger beim Besuch des Zoologischen Stadtgartens.

Einig war sie sich mit Zooleiter Dr. Matthias Reinschmidt, dass die Übernahme von Zirkuselefanten nicht nur ein Tierschutzprojekt und wichtiger Baustein für das „Auslaufmodell Zirkuselefant“ ist, sondern für den Zoo Karlsruhe auch ein Alleinstellungsmerkmal wäre.

Das Treffen letzte Woche diente dem Austausch über Entwicklungen im Zoo auf dem Weg zum Artenschutz- und Tierschutz-Zoo auf Basis eines Masterplans. Neben der Elefantenhaltung ging es um ein Begegnungsgehege für die Wallaby-Kängurus, um kommentierte Tierpräsentationen als unterhaltsame Chance der Wissensvermittlung oder auch um die Haltung von frei gehaltenen Vögeln, denen die Flügel nicht gestutzt werden.

Anfang Januar hatte Jäger das neue Gutachten zu Zirkuselefanten vorgestellt und betont, dass nur unter wirklich zeitgemäßen Haltungsbedingungen Elefanten im Zirkus überhaupt noch vertretbar sind. Die im Masterplan Zoologischer Stadtgarten vorgesehene Haltung älterer Elefantenkühe begrüße sie daher ausdrücklich. Der Masterplan sieht eine Erweiterung der Außenanlage auf dann rund 2.700 Quadratmeter vor – bei unterschiedlicher Gehege- und Bodenstruktur. Nach Erweiterung können bis zu fünf Tiere gehalten werden. Der Gemeinderat befasst sich Anfang Februar mit dem Masterplan, das Bürgerforum ist für 17. Februar geplant.

Frühzeitig Kontakt aufnehmen

Wie Reinschmidt und Chefelefantenpfleger Robert Scholz plädierte Jäger dafür, frühzeitig mit den Zirkussen Kontakt aufzunehmen, die bei Elefanten die Mindestanforderungen nicht umsetzen können. Ziel sollte eine gut vorbereitete, freiwillige Abgabe der Elefanten sein. Zirkustiere sind wie die Karlsruher Elefanten Tiere Rani, Shanti und Jenny den direkten Kontakt zu den Betreuern gewohnt. „Hands on“ genannt - im Gegensatz zum in vielen Zoos mittlerweile praktizierten „geschützten Kontakt“ („Protected Contact“ oder „Hands off“). „Zirkustiere werden üblicherweise ziemlich autoritär geführt“, so Jäger. Daher benötige die Integration in eine Gruppe Erfahrung und Zeit, ergänzte Scholz.

Bedingungen, die der Karlsruher Zoo mit seinem fünfköpfigen Elefantenpfleger-Team und Know-how in der Betreuung älterer Tiere biete. Notübernahmen sollten vermieden werden, betonten Scholz und Jäger. Wobei Jäger mit Blick auf Unvorhergesehenes gerne sähe, dass für unabwendbare Krisenaufnahmen auch bei „Hands on-Haltung“ technische Vorrichtungen für - vorübergehenden – geschützten Kontakt zwischen Mensch und Tier mitbedacht werden.

Mit der Erweiterung der Anlage für Wallaby-Kängurus um ein Begegnungs-Gehege stellte Reinschmidt der obersten Landestierschützerin einen weiteren Baustein des Masterplans vor. „Das soll kein zweiter Streichelzoo gar mit Fütterungsmöglichkeit werden, sondern eine von Seiten der Tiere ausgehende Annäherung an den Menschen“, so Reinschmidt. „Das Wildtier braucht Distanz“, betonte Jäger hier ein Kriterium für tiergerechte Haltung. „Total überzeugend ist das Exotenhaus als Begegnungs-Haus“, so Jäger; einleuchtend sei das Konzept, „das auf Eindrücke über mehrere Sinneskanäle setzt“.

Es wird nicht der einzige fachliche Austausch von Zoo und Landestierschutzbeauftragter bleiben. „Wir bleiben in Kontakt, gerade beim Thema Elefanten“, war man sich nach der gemeinsamen Runde durch die Anlage einig. -rie-

 
 

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