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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 11. März 2016

Stadtgeschichte: Schellings zweiter großer Wurf

DIE NANCYHALLE besticht im Gropius-Geist aus der Luft mir ihrer als fünfte Fassade wirkenden Dachlandschaft. Foto: Stadtarchiv

DIE NANCYHALLE besticht im Gropius-Geist aus der Luft mir ihrer als fünfte Fassade wirkenden Dachlandschaft. Foto: Stadtarchiv

 

Vor 50 Jahren wurde die Nancyhalle im Stadtgarten mit einer Blumenschau eröffnet

Als „eine der modernsten Konstruktionen der Welt“ bezeichnete die Presse vor 50 Jahren die neue Nancyhalle im Stadtgarten.

Ein knappes Jahr zuvor hatte Oberbürgermeister Günter Klotz zur Grundsteinlegung am Pfingstsamstag, den 5. Juni 1965, eine große Delegation aus Nancy mit Oberbürgermeister Dr. Pierre Wéber an der Spitze begrüßt. Der freute sich über die Namensgebung der Mehrzweckhalle nach der lothringischen Partnerstadt als „wunderbare Überraschung“. Gastgeber Klotz sah durch die zunächst nur für die Bundesgartenschau 1967 errichtete Halle langfristig „neue Möglichkeiten für die Kongress- und Ausstellungsstadt“. Weswegen sich in der Grundsteinkassette auch ein Programm der damals für die Stadt so bedeutenden Therapiewoche fand.

Bei der Eröffnung am 11. März 1966 mit einer auf die Bundesgartenschau weisenden Frühlingsblumenpräsentation wurde das Werk des Karlsruhe in der Nachkriegszeit prägenden Architekten Erich Schelling als „einzigartig in Europa“ gerühmt. Als kleinere Schwester der über eine Brücke verbundenen weltberühmten Schwarzwaldhalle brachte sie mit ihren 2600 Quadratmetern ein Viertel mehr Ausstellungsfläche.

Aufgeteilt ist diese in zehn quadratische mit großen Glasflächen lichtdurchflutete Einheiten. Dazu kamen zwei platanenbestandene Innenhöfe, ein Foyer mit zwei Konferenzräumen sowie eine am Ufer des Stadtgartensees einst gern besuchte Gastronomie mit Terrasse. Schelling hatte seinen Bau einfühlsam in die abstrakt-geometrische Neugestaltung des Stadtgartens eingepasst. Auch durch ihre aus einem Quadratraster entwickelte Dachlandschaft mit gewölbten Dachflächen in Form hyperbolischer Paraboloide, so genannten Sattelflächen. Entsprechend damaliger Kunstströmungen sollte eine solche Konstruktion laut dem Bauhausarchitekten Walter Gropius als fünfte, aus der Luft erlebbare Fassade wirken.

Heute finden sich in der Nancyhalle Probebühnen für das Badische Staatstheater und im Untergeschoss ein Stützpunkt des Gartenbauamts für die Pflege des Stadtgartens mit Blumenbinderei. -cal-

 
 

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