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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 11. März 2016

Woche der Brüderlichkeit: Keine Rechtfertigung von Gewalt

FESTREDNER PROF. MUSALL (rechts) mit OB Dr. Mentrup. Foto: Fränkle

FESTREDNER PROF. MUSALL (rechts) mit OB Dr. Mentrup. Foto: Fränkle

 

Prof. Musall von der Jüdischen Hochschule Heidelberg eröffnete Karlsruher Austausch

Die Woche der Brüderlichkeit 2016 steht unter dem Begriff „Um Gottes Willen“. Unter diesen Titel stellte der Festredner seinen philosophischen Vortrag zur Eröffnung.

Prof. Dr. Frederek Musall lehrt an der Heidelberger Hochschule für Jüdische Studien Jüdische Philosophie und Geistesgeschichte. Musall übte in seinem fast einstündigen Vortrag eine rabbinische Kritik an der Gewalt. In seiner gelegentlich zum philosophischen Seminar mutierenden, irritierenden Ansprache kam er letztlich zum Schluss, dass auch göttliche Schriften wie die Thora von Menschen stammen und damit Irrtümer möglich sind. Wer „um Gottes Willen“ handle, handle auch immer „um des Menschen Willen“.

Religionen pflegen Dialog

Der stellvertretende katholische Stadtdekan Erhard Bechtold, der Musall im Namen der drei Vorsitzenden der Karlsruher Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit dankte, fasste dies so zusammen: „Heilige Texte können nicht zur Rechtfertigung von Gewalt herangezogen werden. Es gibt keine Heiligen Kriege.“

Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, der den Festabend eröffnete, nannte das Judentum einen „unverzichtbaren Bestandteil unserer Kultur und freute sich darüber, dass mehr als 70 Jahre nach dem Holocaust sich die Religionen seit langem wieder auf Augenhöhe begegnen und sie den konstruktiven Dialog pflegen. Er verwies in diesem Zusammenhang auf den Garten der Religionen, der im Zuge der 300-Jahr-Feierlichkeiten 2015 in der Südstadt-Ost entstanden ist.

Vielfältiges Wochenprogramm

Wie alljährlich, bot die Woche der Brüderlichkeit auch nach der festlichen Eröffnung ein vielfältiges Programm. Im Angebot standen ein Konzert, eine Lesung, ein christlich-jüdischer Bibelstudienkreis und zwei Filmvorführungen. Begonnen hatte die Woche der Brüderlichkeit bereits vorzeitig mit zwei Vorstellungen im Staatstheater. Ihren vorläufigen Abschluss findet sie am Sonntag mit einer Führung durch die Synagoge an der Knielinger Allee 11. Der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde, David Seldner, erwartet die Gäste um 11 Uhr. Der Ehrenvorsitzende des Vereins „Child Survivors Deutschland – Überlebende Kinder der Shoah“ und Zeitzeuge, Horst Selbiger, spricht am Montag um 19 Uhr im Festsaal der Synagoge unter dem Titel „…und sie trieben meine Esther ins Gras“ über seine Familiengeschichte und sein Leben. -erg-

 
 

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