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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 25. März 2016

Erinnerungskultur: Schicksal sichtbar gemacht - Stolpersteine für 15 Opfer der Euthanasie

ERINNERUNG AN SOPHIE HAHN: Gunter Demnig verlegte Stolpersteine für 15 Karlsruher Opfer der Euthanasie. Foto: MMG

ERINNERUNG AN SOPHIE HAHN: Gunter Demnig verlegte Stolpersteine für 15 Karlsruher Opfer der Euthanasie. Foto: MMG

 

Ehrung für aus Karlsruhe stammende Patienten der Psychiatrie

Sophie Hahn und Albert Glatt sind zwei von 15 Euthanasie-Opfern, an die seit dem vergangenen Freitag im Stadtbild Stolpersteine erinnern. Sie wurden bei der Aktion T4 ermordet, bei der die Nationalsozialisten in den Jahren 1940 und 1941 insgesamt 70.000 psychisch Kranke oder Menschen mit Behinderung umbrachten.

Sie wurden in sechs Tötungsanstalten wie in Grafeneck auf der Schwäbischen Alb oder im hessischen Hadamar vergast.

Die jüngste Verlegung von Stolpersteinen in Karlsruhe durch den Kölner Künstler Gunter Demnig hatte besonderen Charakter. Sie galt einer Gruppe von Opfern des Nationalsozialismus, „deren Schicksal bisher verschwiegen oder verdrängt wurde“, betonte der Geschäftsführer des Fördervereins für Stadtgeschichte, Dr. Manfred Koch, in der Humboldtstraße, in der Sophie Hahn und ihre Familie gewohnt hatten.

Die Koordinationsgruppe im Förderverein veranstaltet die Karlsruher Stolperstein-Verlegungen. Besonders war die Verlegeaktion auch, weil diesmal Kooperationspartner beteiligt waren wie die Katholische und die Evangelische Kirche mit ihren Dekanaten, die Lebenshilfe Karlsruhe, dazu die Gruppe Karlsruhe des Vereins „Gegen Vergessen – für Demokratie“. Koch erwähnte auch, dass sechs Geistliche in den Verlauf des Tages eingebunden waren.

Die Biografien von Sophie Hahn und Albert Glatt verlasen die Pfarrer Ulrike Krumm und Dirk Keller an den jeweiligen Verlegeorten. Auch der evangelische Dekan Dr. Thomas Schalla würdigte ein Opfer, und Landesbischof Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh war bei einer Verlegung nahe seiner Wohnung. Der stellvertretende katholische Stadtdekan Erhard Bechtold und Pfarrer Ulrich Schadt hielten zum Abschluss des Tages am späten Nachmittag in der Kleinen Kirche einen ökumenischen Gottesdienst zu Ehren der Ermordeten.

Sophie Hahn und Albert Glatt starben im Sommer 1940 in Grafeneck. Dorthin waren sie aus den „Heil- und Pflegeanstalten“ deportiert worden, in denen sie zuvor untergebracht waren. Ein solches oder ähnliches Schicksal haben sie mit allen anderen Geehrten gemeinsam. Namen und Lebensdaten von allen 15 aus Karlsruhe stammenden Patienten der Psychiatrie wurden beim Gottesdienst verlesen. Sie standen stellvertretend für die 450 Karlsruherinnen und Karlsruher unter den 200.000 Menschen mit geistiger Behinderung oder psychischer Erkrankung, die zwischen 1939 und 1945 im Rahmen der Euthanasie ermordet wurden. -erg-

 
 

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