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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 15. April 2016

Kultur: Perspektive wechseln lohnt sich

RAP TRIFFT OBERTONGESANG: Hinreißende Musik boten der Karlsruher Saxofonist Peter Lehel und sein siebenköpfiges Ensemble zur Eröffnung der Kulturtage mit „When future smiles“. Foto: Bastian

RAP TRIFFT OBERTONGESANG: Hinreißende Musik boten der Karlsruher Saxofonist Peter Lehel und sein siebenköpfiges Ensemble zur Eröffnung der Kulturtage mit „When future smiles“. Foto: Bastian

STEHENDE OVATIONEN: Peter Spuhler, Theresia Bauer, Dr. Frank Mentrup und Dr. Susanne Asche (v.l.) waren begeistert. Foto: Bastian

STEHENDE OVATIONEN: Peter Spuhler, Theresia Bauer, Dr. Frank Mentrup und Dr. Susanne Asche (v.l.) waren begeistert. Foto: Bastian

 

Europäische Kulturtage bis 24. April

Wanderungen sind ein Menschheitsthema und das der bis 24. April dauernden Europäischen Kulturtage - und momentan aktueller denn je. Menschen fliehen vor Krieg und Verfolgung und hoffen auf einen Neuanfang in Frieden und Sicherheit.

„When future smiles“ hieß demnach vielsagend auch das eigens für die Festivaleröffnung am vergangenen Freitag komponierte Werk des Karlsruher Saxofonisten Peter Lehel. Das Stück für kosmopolitisches Oktett verband virtuos Klassik mit Ethno, Jazz und neuer Musik und zauberte mehr als ein Lächeln auf die Gesichter der Premierengäste im vollbesetzten Tollhaus, es riss sie förmlich von den Stühlen. Hingerissen waren nicht nur sie, sondern war vom „kompakten Klang“ der Formation nach so kurzer Probezeit auch Peter Lehel. Wann „When future smiles“ allerdings erneut zu hören sein wird, wisse er noch nicht.

Als „kluge Wahl“ bezeichnete Baden-Württembergs Kulturministerin Theresia Bauer das EKT-Motto „Wanderungen - Glück | Leid | Fremdheit“. Kunst und Kultur seien „unverzichtbare Brückenbauer“, sie förderten Toleranz, überschritten „Borniertheit und Abgrenzungsversuche“ und „verbinden“, so Bauer. OB Dr. Frank Mentrup lud ein zum „Perspektivwechsel“. Seit jeher gäbe es Wanderungen. Zwar vermittelten Geschichtsbücher den Eindruck, die Weltgeschichte teile sich in eine Phase der Unordnung mit Völkerwanderungen und eine Phase der Ordnung mit festen Grenzen, aber diese Trennung habe es nie gegeben.

Was es bedeutet, in einem Land zu leben, „in dem Menschen für ein Gedicht mit dem Tod bezahlen“, vermittelte eindrucksvoll die Lesung des syrischen Autors Fady Jomar. Ihn schmerze, dass „wir erst alles verlieren mussten“, um hier als Flüchtlinge zu landen. Grenzen seien „noch hartnäckiger als die Himmelstür“, sie „schicken dich in den Tod zurück“, denn „dein Name, dein Pass, dein Blut erklären dich schuldig.“

Vor allem junge Besucher will das Festival ansprechen. Unter der Rubrik „Baustelle. Heimat finden im Fremden“ machte der Stadtjugendausschuss von Januar bis jetzt Angebote für einheimische und unbegleitet zugewanderte Jugendliche. Ihre Begegnung hat nicht nur Spuren in den Herzen und Köpfe der Akteure hinterlassen, sichtbares Ergebnis ist auch ein gemeinsam gestalteter, mit Fotos, Rezepten und Filmen bestückter Bauwagen, der im Tollhaus zu sehen war.

Die historische Sichtachse zwischen Pyramide und Schloss versperrt seit Samstag ein Container. Für ihre Installation „Global-is(ol)-ation“ hat die Künstlerin Gülsel Özkan in das Symbol weltumspannenden Handels Gucklöcher gebohrt. In dessen Innern begegnen Betrachter Flüchtlingen, dreidimensional gefilmt und wie „Gemälde des Abwartens“ anmutend. Der Standort auf dem Platz der Grundrechte sei bewusst gewählt worden, erklärte EB Wolfram Jäger, weise er doch auf die „Unvereinbarkeit“ derzeitiger Fluchtbedingungen „mit der Forderung nach Wahrung der Würde des Menschen hin“.

Von einem EKT-Ereignis zum anderen wandern können Kulturfans auch kommende Woche. Ganz konkret am 17. April um 15 Uhr etwa den Waldenserweg in Palmbach entlang. „Chancen für Nachhaltigkeit“ lotet ein Gespräch über Möglichkeiten von Architektur im Zeitalter der Migration am 18. April um 19.30 Uhr im Rathaus (Marktplatz) aus. Im Badischen Kunstverein öffnet am 21. April um 19 Uhr die Schau „Wir Flüchtlinge – Von dem Recht, Rechte zu haben“ und um 20.30 Uhr wird im Staatstheater eine iranische Adaption von Borcherts Kriegsheimkehrdrama „Draußen vor der Tür“ gezeigt.-maf-

 
 

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