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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 15. April 2016

Soziales: Wohngemeinschaft für den letzten Weg eingeweiht

EINGEWEIHT haben die Dekane Dr. Thomas Schalla und Hubert Streckert die Hospiz-WG, die auf Farbakzente setzt. Foto: Bastian

EINGEWEIHT haben die Dekane Dr. Thomas Schalla und Hubert Streckert die Hospiz-WG, die auf Farbakzente setzt. Foto: Bastian

 

Würde lassen, Zuwendung geben / In der Weststadt entsteht Hospiz mit größtmöglicher Teilhabe und Individualität

In trauriger Gewissheit, unheilbar krank sterben zu müssen, ist Vielen wichtig, so lange wie möglich aktiv in heimischer Umgebung zu leben. Den Wunsch nach Teilhabe und Würde greift ein innovatives Konzept, eine betreute Wohngemeinschaft für Schwerkranke und Sterbende auf. Das künftige Weststadt-Hospiz wurde nun eingeweiht.

Wer das voraussichtlich ab Ende Mai, Anfang Juni für bis zu sechs Mieter verfügbare Angebot nutzen möchte, ist auf Hilfe angewiesen, aber noch nicht handlungsunfähig, kann und will sich einbringen. Bei bestmöglicher Barrierefreiheit, wie sie der aufwendige und herausfordernde Umbau des Gebäudes (Uhlandstraße 45) zulässt, und größtmöglicher individueller Note. Wo zurzeit noch der Vorgarten wuchert, entstehen Terrasse und Haupteingang zum gemeinsamen Wohnzimmer, dem sich Küche, Bäder und sechs Zimmer anschließen.

Der Tagesablauf und viele Details des Zusammenlebens sollen sich mit den Bewohnerinnen und Bewohnern entwickeln, weitgehend auch nach deren Potenzial und Vorstellungen richten, unterstrich Leiterin Christine Ettwein-Friehs. 220.000 Euro kostete der Umbau zu einer aus Sicht der Verantwortlichen sogar bundesweit einmaligen Einrichtung. 80.000 fallen für die Ausstattung an: 50.000 steuert die Stadt über Erlös aus Krematoriums-Zahngold bei. „Nicht unpassend“ – im Gegenteil, erklärte Bürgermeister Klaus Stapf und betonte, dass das Einverständnis zu dieser Verwertung stets gern erteilt worden sei. Gut 75.000 Euro spendete die Glücksspirale, nebst 3000 Euro aus Kleingeld, das Kunden in regionalen Annahmestellen abgaben.

Mit dieser Unterstützung, Diakonischem Werk und Caritasverband haben die beiden großen christlichen Kirchen über einen runden Tisch mit und für Haltung, so der katholische Dekan Hubert Streckert, eine neue Hilfe zur Selbsthilfe in besten Händen ermöglicht. „Ich hoffe“, knüpfte er an das im Gottesdienst vorgetragene Evangelium der wunderbaren Brotvermehrung an, „dass alle, die dort wohnen, zu Besuch sind, die Gemeinschaft tragen, diese Dynamik des Teilens erfahren, und dass am Ende viel mehr sein wird als war“. Stapf hob hervor, dass der Tod zum Leben und als Thema in die Gesellschaft gehöre, wozu dieses Projekt beitrage: „Ein Angebot, das den Menschen Würde lässt und Zuwendung gibt.“ Kann in alle Richtungen gelten. Judith Hofmann zählt zu denen, die sich als Betreuende ausbilden lassen, und fühlt sich angekommen: „Wir kehren jeden Abend bereichert heim.“ -mab-

 
 

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