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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 15. April 2016

Stadtgeschichte: Wilhelm Schnarrenberger

ZWEI WERKTEILE: Wilhelm Schnarrenberger. Foto: Stadtarchiv

ZWEI WERKTEILE: Wilhelm Schnarrenberger. Foto: Stadtarchiv

 

Ein Meister der Malkunst / Zweigeteiltes Werk hinterlassen

Geprägt von Erfahrungen zweier Weltkriege, hinterließ der am 17. April 1966 in Karlsruhe gestorbene Wilhelm Schnarrenberger ein zweigeteiltes Werk.

Als Lehrer für Gebrauchsgraphik wurde der 1892 in Buchen geborene und in Freiburg Aufgewachsene nach dem Studium an der Münchner Kunstgewerbeschule 1920 an die Karlsruher Kunstakademie berufen. Bereits ein Jahr später Professor, war Schnarrenberger zuvor durch erst verspielte, dann ins Groteske umgeschlagene Lithos wie „Mobilmachung“ oder die kafkaeste „Jagd auf Dicke“ (Kriegsgewinnler) aufgefallen. Scheinbar naiv, nahm er distanziert die Kriegsbegeisterung aufs Korn, indem er etwa Menschen aus der Vogelperspektive wie kleine Ameisen in bedrohlicher, trotzdem fein gezeichneter Häuserkulisse erscheinen ließ.

In Karlsruhe rückte die Malerei in seinen Fokus und ließ ihn zu einem der wichtigsten Köpfe der Neuen Sachlichkeit werden. Gegen zunehmend gegenstandslose Malströmungen setzte er mit Dix, Kanoldt, Scholz oder Hubbuch  eine zeichnerische neue Gegenstandstreue. Dafür standen Bilder wie „Das Gewächshaus“, aber auch (Selbst-) Porträts. Nach 1933 aus dem Amt vertrieben, führte die Verfemung als entarteter Künstler nach 1937 auch zu Depression und isoliertem Leben als freischaffender Maler in Berlin, Rom und Lenzkirch im Schwarzwald, wo eine Pension den Lebensunterhalt der Familie sicherte.

Frühestmöglich - 1947 – kehrte er nach dem Aus für die Nazis  in seine Stellung an der Akademie zurück. Und entwickelte sich durch seine im Krieg „entdeckte“  Stilllebenmalerei  in mönchischer Abgeschiedenheit zum Maler der stillen Dinge. Die aber leuchteten kostbar und märchenhaft, so ein schwarzes Lacktablett mit schimmernden  Gläsern und Schalen, funkelnde Löffel oder Porzellan. Neben zahlreichen Ausstellungen brachte dem von seinen Studierenden „Schnarres“ genannten  Künstler seine „vornehme Malerei“ (Hubert Morgenthaler) 1962 den Hans-Thoma-Preis des Landes ein. -cal-

 
 

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