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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 8. Januar 2016

Kultur: Unglaubliche Geschichten

SCHWER GEZEICHNET vom alliierten Luftangriff des 27. September 1944 haben diese Museumsstücke „überlebt“. Foto: BLM

SCHWER GEZEICHNET vom alliierten Luftangriff des 27. September 1944 haben diese Museumsstücke „überlebt“. Foto: BLM

 

Objekte mit Geschichte beleuchtet Schau im Landesmuseum

Es lohnt, sich auf Schatz- und Spurensuche von „OMG! Objekten mit Geschichte“ im Badischen Landesmuseum (BLM) zu begeben. Das Publikum trifft in der Ausstellung, geführt über ein Wegeleitsystem, im ganzen Haus auf so manche Kriminalstory, auf Skurriles, zuweilen Unglaubliches.

Und erfährt noch bis 29. Mai anhand der 27 Fallgeschichten der bislang im Depot verwahrten Objekte, wie vielseitig Museumsarbeit ist, wie viel Neugier und Spürsinn, aber auch Hartnäckigkeit und Geduld sie verlangt. An den Tag gelegt haben sie die elf Volontärinnen und Volontäre unter Leitung von Museumschef Prof. Dr. Eckart Köhne.

Inszeniert sind die Stücke wie im Depot, auf Europapaletten, angefangen mit einer großen „Verpackungsstation“ im Foyer. Jedes einzelne Teil eines Puppenhauses ist hier behutsam gesichert, um ein Hufeisen schmiegt sich passgenau Schaumstoff. Eine der zentralen und aktuellsten Forschungsfragen – die nach der Herkunft – stellt sich bei einem Sandsteinrelief mit drei Nubierköpfen aus dem 14. Jahrhundert vor Christus. Erworben hat es das Museum als echt aus dem Nachlass eines Antikenhändlers, der inzwischen wegen seiner hochwertigen Fälschungen den Spitznamen „Berliner Meister“ trägt.

Und warum finden sich im BLM wie in anderen deutschen Museen urzeitliche Steingeräte aus Dänemark? Ganz einfach, weil der Däne Hans-Christian Jespersen, der sie 1884 Großherzog Friedrich I geschenkt hatte, auf einen Orden spekulierte und ihn auch erhielt. Eine seiner berühmtesten Sammlungen, die der etruskischen Bronzen, verdankt das BLM Friedrich Maler. Der badische Geschäftsträger in Rom hatte sie zunächst auf eigene Rechnung gekauft. Der anfangs nicht überzeugte Großherzog übernahm sie erst, als der Louvre für sie einen beachtlichen Preis bot. Und das im Ersten Weltkrieg zur Aufbewahrung übergebene Porträt des Kunsthallendirektors Willy F. Storck hat das Museum immer noch, seine Witwe legte keinen Wert mehr darauf.

Der empfehlenswerte, viele Aspekte der Museumsarbeit verdeutlichende, 172-seitige und 13,90 Euro teure Katalog erschien im Info Verlag. Über eine im Apple App-Store oder bei Google Play zu findende App erklären die Ausstellungsmacher ihre Schau ebenfalls. -cal-

 
 

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