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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 8. Januar 2016

Stadtgeschichte: Er hatte „Freude am Schönen“

Otto Haupt beim Richtfest des KIT-Bibliothekturms, 1962

Otto Haupt beim Richtfest des KIT-Bibliothekturms, 1962

 

Otto Haupt bedeutender Architekt der Form / Tod vor 50 Jahren am 2. Januar

Beim Wiederaufbau des Karlsruher Rathauses 1954 wurde im Inneren auf die historisierende Wiederherstellung verzichtet. Treppenaufgang und Bürgersaal erhielten eine moderne Form, die dem Raumgefühl des Aufbruches der Nachkriegszeit entspricht und eine besondere Handschrift zeigt.

Architekt Otto Haupt war nicht nur dafür verantwortlich, sondern unter anderem auch für das Studentenwohnheim am Adenauerring 1951, die Repräsentationsräume der Karlsruher Lebensversicherung 1955 oder 1960/66 den Bibliotheksturm des heutigen Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) zusammen mit seinem Sohn Peter.

Haupt, im Jahre 1891 in Brünn geboren, dem es zunächst schwer fiel, sich zwischen Musik, Malerei und Architektur zu entscheiden, folgte im Architekturstudium seinem Lehrer Carl Caesar von Berlin an die Technische Hochschule (TH) nach Karlsruhe. Hier erwarb er 1919 sein Diplom und arbeitete danach als Regierungsbaumeister in Berlin, trug Verantwortung im Reichsbank-Baubüro, ehe es ihn endgültig nach Baden verschlug.

1927 wurde er zum Direktor der Kunstgewerbeschule in Pforzheim berufen und nahm zugleich einen Lehrauftrag an der TH Karlsruhe für „Handwerkliche Einzelgebiete und Innenraum“ wahr. Obgleich ein Vertreter vom modernen Neuen Bauen und heimat- oder deutschtümelnde Formen ablehnend, fiel Haupt in der NS-Zeit nicht in Ungnade. 1934 wurde er ordentlicher Professor an der TH und Direktor der Akademie der Bildenden Künste bis 1947 und nochmals nach 1949.

Seit  1937 wirkte er als Ordinarius für Architektur als Nachfolger des Universalkünstlers Max Laeuger. Haupt war der Ansicht, Form müsse aus einem Gefühl für das Material und für die Bearbeitungstechnik entstehen und übernahm die Moderne aus der Weimarer Republik in die Nachkriegszeit. 1952 bis 1956 war er gewählter Rektor der TH. Als herausragender Verfechter eines alltäglich zu nutzenden Kunstgewerbes war er bis zu seinem Tod Vorsitzender des Badischen Kunstgewerbevereins und lange Jahre im Vorstand des Deutschen Werkbundes. Otto Haupt starb vor 50 Jahren am 2. Januar 1966 in Karlsruhe. jsk

 
 

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