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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 1. Juli 2016

Kultur: Prinz Max verstehen

In der Schau (v. l.): Wolfgang Zimmermann, Konrad Grimm, Staatssekretärin Petra Olschowski und Prinz Bernhard. Foto: Fränkle

In der Schau (v. l.): Wolfgang Zimmermann, Konrad Grimm, Staatssekretärin Petra Olschowski und Prinz Bernhard. Foto: Fränkle

 

Ausstellung über letzten Reichskanzler und Schulgründer

Gesehen wurde er als nobler Fürst und humaner Helfer der Kriegsgefangenen, selbstloser Diplomat, versteifter Monarchist ebenso wie als entscheidungsschwacher Verräter am Kaiser wie am politischen Fortschritt. Außerdem als Förderer der Reformpädagogik oder als singender und klavierspielender Musikliebhaber und Hochgebirgswanderer.

Mit  „Der Wunschlose – Prinz Max von Baden und seine Zeit“  widmet das Generallandesarchiv (GLA) dem letzten badischen Thronfolger und Reichskanzler nun erstmals eine theatral inszenierte Ausstellung mit Begleitpublikation. Zu sehen sind Gemälde, Fotos, Zeichnungen, Briefe, Dokumente,  private (Kunst-) Gegenstände und Skulpturen. Mit diesem Projekt wirft  Kurator Prof. Dr. Konrad Grimm Schlaglichter auf die  vielleicht vielschichtigste Persönlichkeit des badischen Hauses und lädt zu weiteren Forschungen ein. Möglich wird das durch einen  „eigentlich unaufgeregten Anlass“.

Denn,  so Prinz Bernhard von Baden bei der Eröffnung, „wir haben mit der Übertragung des  Nachlasses von Max und der Großherzogin Luise das getan, war wir schon immer taten, nämlich Bestände aus Salem im großherzoglichen Familienarchiv im Generallandesarchiv gesichert“. Mittels eines von der Landesstiftung Kulturgut finanzierten  Inventars sind sie nun zugänglich. “Für diesen großen Quellenkomplex, der mehr als 300 Regalmeter umfasst, übernehmen wir gerne Verantwortung“, versicherte GLA-Chef Prof. Dr. Wolfgang Zimmermann.

Mitgebracht hat der Prinz für die Schau  mit der Statuette des lesenden Prinzen in Uniform ein Lieblingsstück. Das ist es auch für Konrad Grimm, der das von Max, in der Umbruchszeit zwischen Monarchie und Demokratie unter dem Decknamen “Der Wunschlose“   gepflegte Korrespondentennetzwerk als Makrokosmos höfischer Traditionen und politischer Hoffnungen zugrunde legte. Dazu gehörte etwa Kurt Hahn mit dem Max später die Salemer Schule gründete, um nach den Verrohungen des Krieges verantwortungsvolle Menschen zu erziehen. Aber auch Kaiser Wilhelm II (Der Verwandte), Sozialdemokraten, Liberale, Militärs und Wissenschaftler wie Max Weber. Grimm will  nicht werten, sondern „verstehen“ und sieht Max von „konservativer, die Monarchie bejahender Grundhaltung, gleichzeitig aber fähig, fremde Meinungen anzuerkennen und offen für Neues“. -cal-

Wege zu Max im Generallandesarchiv

Die bis Ende Oktober laufende Schau über Prinz Max ist bei freiem Eintritt im Generallandesarchiv, Nördliche Hildapromenade 3, dienstags bis donnerstags von 8.30 bis 17.30, freitags auch bis 19 Uhr sowie sonntags von 13 bis 17 Uhr zu sehen. Das Inventar zu Prinz Max und Großherzogin Luise findet sich unter www.landesarchiv-bw.de/web/60494. Das im Verlag Kohlhammer erschienene Begleitbuch kostet 24 Euro. Am 7. Juli, 18 Uhr, gibt es einen Begleitvortrag.

 
 

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