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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 5. August 2016

Naturkundemuseum: Riesige Aquarien als Highlights

KALLI, der Schwarzspitzenriffhai, erkundet im 240 Tonnen schweren Großaquarium sein neues Revier mit lebenden Korallen. Foto: Fränkle

KALLI, der Schwarzspitzenriffhai, erkundet im 240 Tonnen schweren Großaquarium sein neues Revier mit lebenden Korallen. Foto: Fränkle

DAS SKELETT eines Nordkaperwalweibchens ist zwar schon seit 1974 im Naturkundemuseum, wurde  aber noch nie komplett ausgestellt. Es wird jetzt im neuen Westflügel durch ein Modell ergänzt. Foto: Fränkle

DAS SKELETT eines Nordkaperwalweibchens ist zwar schon seit 1974 im Naturkundemuseum, wurde aber noch nie komplett ausgestellt. Es wird jetzt im neuen Westflügel durch ein Modell ergänzt. Foto: Fränkle

 

Sanierter Westflügel eröffnet / In neuer Dauerausstellung „Form und Funktion“ lebende Tiere und museale Exponate

Karlsruhe ist um eine spektakuläre Attraktion reicher, das Naturkundemuseum um ein gelungenes Experiment. Nach zweieinhalb Jahren Umbau „gehört“ ihm endlich sein, bisher von der Landesbibliothek als Magazin genutzter Westflügel.

Im Westflügel haben die Naturwissenschaftler nicht gekleckert, sondern zur Eröffnung auf zwei Etagen von rund 1.200 Quadratmetern geklotzt. Neben der bereits seit einem Monat laufenden Schau über Wale im neuen Sonderausstellungsraum im Obergeschoss, wartet das Museum nun mit 27, sich ständig verändernden riesigen Aquarien, Terrarien und Paludarien (eine Mischung aus beidem) im Parterre auf. Und ist damit bundesweit nur mit dem Aquazoo-Löbbeke in Düsseldorf und dem Ozeaneum in Stralsund vergleichbar, so Museumschef Prof. Dr. Norbert Lenz.

In der neuen barrierefreien Dauerausstellung „Form und Funktion – Vorbild Natur“ stehen in einer, strahlend weißen Zellen nachempfundenen Ausstellungsarchitektur die bestmöglichsten Objekte im Mittelpunkt: lebendige Tiere und Pflanzen. So schweben gleich zu Beginn filigrane Quallen in einem blauschimmernden, Zirkulations-strömung erzeugenden „Stretchkreisel“. Der zehnjährige Schwarzspitzenriffhai Kalli darf sich mit leuchtenden Fischschwärmen, etwa Farnbarschen und Kofferfischen oder Seeigeln, im größten, lebenden Korallenriff Deutschlands in 240 000 Litern Wasser tummeln.

Walkuh und Modell

Nebenan schimmern regenbogenfarbene Fluorenzkorallen, im Großpaludarium am Ende räkeln sich vier Krokodile und verstecken sich Schildkröten. Museal ergänzt werden diese großzügigen „Zooareale“ durch ausgestopfte Tiere wie einem Eisbär, Modelle, darunter eine Lotusoberfläche aus Gummi mit gläserner „Wasserkugel“, Medien- und Mitmachstationen. Atemberaubend hier: das unter der Decke schwebende 12,6 Meter lange Skelett einer ursprünglich 30 Tonnen schweren Nordkaperwalkuh mit „intaktem“ Modell darunter und die 700 Jahre alte Baumscheibe eines Küstenmammutbaums von zwei Metern Durchmesser. All das wird unter den Themen Anatomie, Energie, Oberflächen, Bewegung, Sinnesorgane sowie Wachstum und Fortpflanzung in Zusammenhang mit der Bionik gestellt. Für die junge, Forschungsrichtung ist die Natur Vorbild für technische Problemlösungen. Erforscht werden natürliche Prinzipien und Funktionsweisen und ihre technische Umsetzung. Dazu zählen etwa der Haihaut-Effekt, das Gecko-Klebeband, künstliche Seide oder die einer Knochenstruktur ähnliche Konstruktion des Eifelturms. Letzteres wird in der Schau auf lichtdurchlässigem Gewebe visualisiert.

Neuland betreten

Mit der neuen Ausstellung, auch in der Verbindung zur Bionik, „setzt Karlsruhe neue Maßstäbe in der baden-württembergischen Museumslandschaft“ freute sich Kunstministerin Theresia Bauer bei der Eröffnung. OB Dr. Frank Mentrup sah in der Bionik auch großes Potential für eine „zukunftsverträgliche Umweltpolitik hinsichtlich des Umgangs mit Energie oder der Wiedernutzung von Rohstoffen“. Finanzstaatssekretärin Gisela Splett wertete die Großaquarien als „“Highlight“. Ausgegeben hat das Land für die Sanierung des Westflügels sieben und für die museale Ausstattung nochmals drei Millionen Euro. Dazu kommen noch 300.000 Euro Sponsorengeld für Extrawünsche von Dr. Manfred Verhaag, Vivariumsleiter Johann Kirchhauser und Dr. Petra Guder. Das Team hat das Projekt unter großem Einsatz konzipiert und umgesetzt und dabei auch technisch Neuland beschritten.

Wegen des immensen Pflegeaufwands wurden die Preise moderat erhöht (Erwachsene zahlen jetzt für alle Präsentationen auf 5.000 Quadratmetern fünf, Kinder ab sechs Jahren zwei, Schüler in Klassen ein, Familien zehn Euro). Die museumspädagogische Angebote sind unter der Telefonnummer 175-2152 zu erfahren. -cal-

 
 

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