Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt, Sprung zur Suchmaschine

Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 12. August 2016

Geschichte: Pfinzgaumuseum blickt auf Bürgertum früherer Tage: Wie das Leben manchmal so spielt

FAMILIENGESCHICHTE(N): Durlacher Schicksalen widmet sich  Kurator Dr. Ferdinand Leikam im Pfinzgaumuseum. Foto: Fränkle

FAMILIENGESCHICHTE(N): Durlacher Schicksalen widmet sich Kurator Dr. Ferdinand Leikam im Pfinzgaumuseum. Foto: Fränkle

 

Ausstellung zu Durlacher Familiengeschichten über zwei Jahrhunderte hinweg

Ein Panorama des gut situierten Bürgertums zeichnet im Pfinzgaumuseum die Ausstellung „Durlacher Familiengeschichten. Leben und Arbeit 1750 -1950“. Die Idee für die Schau kam Kurator Dr. Ferdinand Leikam, als dem Museum vermehrt Nachlässe angeboten wurden.

Ausgesucht hat Leikam Objekte, Fotografien und Dokumente, darunter auch Leihgaben, von zwölf Familien. Aufgehoben haben die Menschen vor allem Dinge, die mit ihrer Arbeit zu tun hatten. Deshalb tritt oft das Leben der Männer plastischer hervor als das der Frauen, die auf ihre Rolle als Mutter und Hausfrau vorbereitet wurden. Deutlich wird so auch, wie sehr sich die Gesellschaft bis heute veränderte. Ein Beispiel dafür sind die Uhlenburgs. Vater Karl (1851 bis 1921), von dessen Position als Werkmeister bei der Firma Gritzner ein Foto mit Belegschaft zeugt, hatte mit seiner Frau Anna Maria (1851 bis 1923) elf Kinder, von denen sechs Töchter und zwei Söhne erwachsen wurden.  Doch der jüngste fiel mit 18 als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg. Beileibe kein Einzelfall, zeigt dieser Soldatentod, welche Auswirkungen die große Politik auf privates Leben hatte. Tochter Marie (1878 bis 1943) wurde Weißnäherin und führte von 1900  bis 1910 in ihrem Elternhaus in der Weingartner Straße 25 einen auf weiße Textilien spezialisierten Betrieb mit Schule. Dort bildete sie Mädchen aus, die so gleichzeitig ihre Aussteuer nähten. Als Marie heiratete und nach Nürnberg zog, gab sie traditionell ihre Berufstätigkeit auf. Anders ihre ledige Schwester Rosa, (1887 bis 1950). Die wurde  zur ersten Weißnäherinnenmeisterin Durlachs, konnte so die Schule fortführen und machte sich schließlich mit einem Wäschegeschäft selbstständig. Reizvolles Exponat ist hier ein repräsentativer Garnschrank der Firma Gütermann, in dem die Waren modern nach dem Motto „Das Auge kauft mit“ präsentiert  wurden.

Aus der Familie Steinmetz gingen zwei Bürgermeister hervor, Plesch-Kränkels hatten einen in China und Afrika eingesetzten Militärzahlmeister  unter sich, der neben Pickelhaube auch  Buddhastatue, Essstäbchen und Gürtelschnalle aus Jade vererbte. Der Betrieb der Leyerles produzierte nicht nur 20 Nähmaschinen, von denen eine zu sehen ist, sondern brachte auch den „Wassergott Durlachs“ hervor: Adolf (1900 bis 1969), der von seinem Vater die Stelle als Oberwerkmeister für die Wasserversorgung übernommen hatte. Und wer einen der ersten Vegetarier Deutschlands kennenlernen will, findet ihn ebenfalls in der noch bis 11. Dezember laufenden Schau -cal-

 
 

Zur Übersicht der Wochenausgabe