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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 2. September 2016

Naturkundemuseum: Was die Meeresriesen so treiben

IM HERZ eines Blauwales als originalgroßem Modell können Kinder und Erwachsene den Herzschlag des Tieres hören.  	Foto: Fränkle

IM HERZ eines Blauwales als originalgroßem Modell können Kinder und Erwachsene den Herzschlag des Tieres hören. Foto: Fränkle

 

Sonderausstellung über Wale / Themenpalette reicht von der Evolution über Lebensformen bis zur Gefährdung

Gigantisch geht es derzeit zu im Naturkundemuseum am Friedrichsplatz. Noch bis 29. Januar wartet das Haus mit einer 500 Quadratmeter großen Extraschau über die größten lebenden Säugetiere auf.

„Wale - Riesen der Meere“ heißt sie und liefert in den neuen Räumen für Sonderausstellungen anhand von Originalobjekten, Modellen, Fotos, Zeichnungen und Medienstationen einen Überblick über die faszinierenden Meeressäuger. Der reicht von ihrer Evolution und Anatomie über Lebensweise und Fortpflanzung bis hin zu Bedrohung und möglichen Schutzmaßnahmen. Gesehen haben die Schau bisher tausende begeisterte Menschen.

Eintauchen in die Welt der Wale kann das Publikum im ersten, in meeresblauem Licht gehaltenen Raum, in dem auch die Sprache der Tiere zu hören ist. Mit dem bis zu 33 Meter großen und 200 Tonnen schweren Blauwal gehört das größte existierende Tier zur Gattung, aber auch Arten, die kleiner als der Mensch sind, wie heimische Schweinswale oder die vor Neuseeland schwimmenden Hector-Delfine. Modelle einer Zwergwalkuh (in der Natur maximal 9,8 Meter) mit Kind, eines Belugawals (bis zu fünf Meter) - und eines Schwertwales (an die zehn Meter) belegen dieses Spektrum. Und eine riesige Nordkaperzunge, die an ein futuristisches Sofa erinnert.

Im großen Saal findet sich als opulentestes Original das 14 Meter lange Skelett eines 1898 in der Nordsee von einem Kriegsschiff erlegten Finnwals. Zu erkennen sind gebrochene Rippen. Das kommt öfter vor, denn Walrippen sind eher dünn, da das Skelett wegen des Wasserauftriebs nicht das volle Gewicht tragen muss. Wie die Evolution von hundeartigen Landtieren mit Hufen bis zum schwarz-weißen Orca führte, wird an Grafiken und einem 6,5 Meter langen Skelett dieses größten Delphins gezeigt. Denn die zählen auch zur Walfamilie. Dass Wale, bewaffnet mit großen Zähnen, Beutetiere jagen oder mit Barten, die wie Rechen funktionieren, Fische oder Grill schlucken ist ebenso Thema wie der Fakt, dass ihre Kadaver am Meeresboden wiederum vielen Lebewesen bis zu 100 Jahre lang als Nahrung dienen. Etwa Haien, Muscheln oder der als Modell präsentierten Riesenassel.

In einem begehbaren Modell eines Blauwalherzens von den Dimensionen eines Kleinwagens sind Herztöne hörbar - acht bis zehn pro Minute, während es bei Menschen 70 und Mäusen 600 sind. An der Meeresoberfläche kann man Wale an ihren spezifischen Blasfontänen beim Ausatmen erkennen. Dazu gibt es ein Ratespiel ebenso wie zu den teilweise melodiösen Gesängen der Tiere, die sie zur Partner- oder Nahrungssuche und Orientierung einsetzen. Bei der Fortpflanzung stellen sie Rekorde auf, wovon ein 1,20 Meter langer Pottwalpenis zeugt. Hat die Blauwalmutter ihr Kind in Steißlage geboren, damit es sofort an die Luft kommt, muss sie täglich 600 Liter fette Milch produzieren. Waren die Tiere früher wegen der Jagd gefährdet, sind sie es heute durch Lärm, der zur Orientierungslosigkeit führt, Giftstoffe, Plastik oder durch Netzfischjagd.

Im Begleitprogramm gibt es wieder Aktionen für Gruppen und Schulklassen sowie ab Oktober Vorträge und Themenführungen (www.naturkundemuseum-karlsruhe.de). In der Schauburg läuft in Kooperation eine Filmreihe. Nächster Streifen: „Mein Freund, der Delfin“ am Sonntag, 4. September, 15 Uhr (www.schauburg.de). Das informative, bildreiche Begleitbuch ist im Shop für 19,50 Euro zu haben. -cal-

 
 

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