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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 23. September 2016

Gemeinderat: Rettung der Staatlichen Majolika-Manufaktur

BLICK in den Innenhof der traditionsreichen und mittlerweile deutschlandweit einzigen  Kunst-Keramik-Manufaktur. Foto: MMG

BLICK in den Innenhof der traditionsreichen und mittlerweile deutschlandweit einzigen Kunst-Keramik-Manufaktur. Foto: MMG

 

In einem Jahr kommt es zum Schwur / Konzept sieht Ausrichtung auf Internationales Keramikzentrum vor / Aufgaben erfüllt

Eine letzte Chance, hieß es aus vielen Fraktionen, hat der Gemeinderat mit 30 Ja-, neun Gegenstimmen und sechs Enthaltungen der 1901 gegründeten Majolika-Manufaktur gewährt, ihr Fortführungskonzept erfolgreich umzusetzen.

Ob das gelingt, muss die Manufaktur bis zur Gemeinderatssitzung im September 2017 nachweisen. Bis zum 30. Juni soll es einen Zwischenbericht geben, kündigte Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup an. Er dankte allen für die differenzierte Betrachtung und hohe Wertschätzung für Stiftung und Gesschäftsführung, Letzteren auch für die Bereitschaft zu erheblichem Personalabbau. Für das Plenum sei die Perspektive aber „konzeptionell noch nicht überzeugend“.

Erhalten soll die Majolika 2017 350.000 Euro, 2018 noch 300.000, diese allerdings versehen mit einem an die Erfüllung des Wirtschaftsplans gekoppelten Sperrvermerk. Bis 2021 soll der Zuschuss auf 120.000 Euro sinken und ab 2022 nur noch als Ausfallbürgschaft bereit stehen. Das neue internationale Konzept, das laut Kulturdezernent Wolfram Jäger „eine Chance verdient“, soll Kunst, Design und Handwerk sowie Ausstellungen, Verkauf und Vermarktung synergetisch zusammenführen, um aus der Majolika ein Unternehmen der Kreativwirtschaft zu entwickeln, das sich selbst tragen kann. Nach der Verwaltungsvorlage besteht das Majolika Internationale Keramik Zentrum künftig aus den sechs Bausteinen Manufaktur, Kunst & Design Galerie, Europäische Keramik Werkstatt, Kunst-Akademie, Europäische Künstlerische Ateliers und Majolika Museum.

In der Diskussion wünschte sich der Christdemokrat Dr. Albert Käuflein, dass diese neuen Entwicklungsansätze als „letzte Chance“ bis 2022 greifen. Die Majolika habe „alles gemacht, was der Gemeinderat gefordert hatte“, der jetzige Beschluss habe etwas mit Verlässlichkeit zu tun. Elke Ernemann (SPD) sah die Rettung „als mutige Entscheidung zum allerletzten Mal“ und hoffte, dass „die prognostizierten Zahlen eintreffen“. Das sei nicht über städtische Aufträge zu erreichen. Ungeklärt bleibe, was mit der Immobilie passiere, eine Übernahme durch die Fächer GmbH wäre positiv.

Skeptisch zeigte sich Dr. Ute Leidig (GRÜNE) angesichts der „sehr optimistischen Zahlen und nicht realistischer Auftragslage“. Die Majolika habe ihr „Möglichstes geleistet“, aber die Aufgabe sei zu schwierig, „der Druck durch die einjährige Probezeit viel zu groß“ und immer noch eine Dauersubvention von 120.000 Euro impliziert. Für sinnvoll hielt Leidig nur „eine strikte Konzentration auf hochwertige künstlerische Produktion“.

Für die KULT-Fraktion stimmte Dr. Eberhard Fischer zu, fand „den Zeitgeist nicht mehr getroffen, zu viel Konkurrenz durch Billiglohnländer und Spitzenproduktionen aus privaten Ateliers“ Geben wollte er ab 2018 mit Unterstützung von Friedemann Kalmbach (GfK) nur noch einen Grundzuschuss und verlangte, dass das Land „seiner Verantwortung für die Staatliche Majolika Manufaktur gerecht“ werde.

Thomas H. Hock (FDP) sah, auch für Jürgen Wenzel (FW), die Majolika als Kulturinstitution, nicht als Wirtschaftsunternehmen: „Wir lügen uns gewaltig in die Tasche, wenn wir glauben, dass die Majolika ohne unsere Unterstützung auskommt.“ Deshalb habe seine Fraktion beantragt, das Gästehaus Solms zu verkaufen, Trauungen und Empfänge künftig in der Majolika stattfinden zu lassen und ein Trauzimmer im Rathaus einzurichten. Letzteres erfuhr mehrheitliche Ablehnung. Sympathie für den Vorstoß kam von Marc Bernhard (AfD), der „auch mal neue Wege gehen wollte“. Gelinge die Sanierung in den nächsten zwei Jahren nicht, sei das Ende der Fahnenstange erreicht. „Ehrlichkeit in der Diskussion“ verlangte Niko Fostiropoulos (Linke). In zwei Jahren werde es die gleiche Situation geben. Der Gemeinderat müsse sich jetzt entscheiden, ob er die Majolika erhalten wolle oder nicht. - cal-

 
 

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