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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 7. Oktober 2016

Schulabsentismus: „Bock auf Unterricht?“

Neue Ratgeber zum komplexen Problem Schulabsentismus

„Ausgehend von der Grundhaltung, dass alle Kinder und Jugendlichen das Recht auf eine gute schulische Entwicklung haben, gilt die Prämisse: Niemand soll verloren gehen.“ Mit dieser Losung, da es um die Zukunft der Heranwachsenden, des Bildungsstandorts und der Gesellschaft geht, beginnt eine in den vergangenen zweieinhalb Jahren erarbeitete Handreichung zum Thema Schulabsentismus für Fachkräfte.

Sozial- und Jugendbehörde (SJB) und Staatliches Schulamt, unterstützt von Jugend-, Ordnungs- und Gesundheitsamt, beratenden medizinischen und schulischen Kräften, der inzwischen in fast jeder Karlsruher Schule präsenten Schulsozialarbeit, trugen mit ihren Perspektiven als Netzwerk dazu bei, umfassend aufzuklären: Warum bleibt er oder sie der Schule fern, was kann getan werden?

Die Ursachen sind unheimlich vielfältig und schwierig, oft nur im von allen Beteiligten betonten Miteinander zu eruieren. SJB-Direktorin Karina Langeneckert verwies vorige Woche zur Präsentation der Handreichung, eines Eltern-Ratgebers und der aus einem Wettbewerb hervorgegangenen, jung designten Internetseite www.faqyouschule.de
auf multiprofessionelle Teams. „Wichtig ist, dass man gemeinsame Verantwortung übernimmt.“ Nun existiere ein Zugang, zu wirken. Mit der Netz-Ansprache hofft man, über wechselnde plakative Info-Felder („Wer kann mir helfen?“, „Kein Bock auf Unterricht?“, „Er/Sie wird von Mitschüler*innen gemobbt oder geärgert“, „Langweiliger Unterricht?“, „Häusliche Probleme?“, „Wegdriften“, „Was wird aus meiner Zukunft?“ et cetera) sowie „Du bist nicht allein“-Videos (mit Erfahrungsberichten erstellt von Drais-Schülerschaft und Werkraum) Betroffene und Freunde zu erreichen.

„Es war klar, dass wir andere Wege gehen müssen“, sagte der Leiter des Psychosozialen Dienstes, Siegfried Mutschler-Firl. Die Jüngeren agierten vor allem online, scrollten aber nicht systematisch durch, schauten eher assoziativ, seien bei fehlendem Wirkeffekt schnell weg. Allgemein schwer zu fassen, so die Leiterin der Schulsozialarbeit, Sandra Greiner: nur physisch in der Schule anwesende Passiv-Ver-weigerer. „Sie fallen nicht auf, sind leise.“ Es gebe freilich auch harte Fälle und Solche, die Grenzen ausloten, dann aber etwa nach verhängtem Bußgeld aufwachten. Knapp 500 Schülerinnen und Schüler wurden voriges Schuljahr wegen ungeklärter Fehlzeiten respektive Schulverweigerung beraten. -mab-

 
 

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