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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 4. November 2016

Automatisiertes Fahren: Meilenstein für Geschichte der Region

MIT OLLI IN DIE ZUKUNFT: Verkehrsminister Hermann (2.v.r.) mit Zuwendungsbescheid, Prof. Zöllner (FZI, 3.v.r), OB Mentrup und Dr. Pischon (KVV, l.) vor der Probefahrt mit dem autonom fahrenden Minibus.

MIT OLLI IN DIE ZUKUNFT: Verkehrsminister Hermann (2.v.r.) mit Zuwendungsbescheid, Prof. Zöllner (FZI, 3.v.r), OB Mentrup und Dr. Pischon (KVV, l.) vor der Probefahrt mit dem autonom fahrenden Minibus.

 

Verkehrsminister übergab Zuwendungsbescheid / 2,5 Millionen Euro fließen / Regulärer Betrieb in 17 Monaten

Die Tage des Verbrennungsmotors sind gezählt und auch der Individualverkehr stößt an seine Grenzen. Gefragt sind neue Technologien und Konzepte, die umweltschonend, komfortabel und sicher sind. Erprobt und entwickelt werden sie künftig auch auf dem Testfeld zum vernetzten und automatisierten Fahren, das in der Region Karlsruhe, Bruchsal und Heilbronn aufgebaut wird. Verkehrsminister Winfried Hermann übergab am Montag den Zuwendungsbescheid.

Selten habe er so wenig Papier übereicht, das so viel wert sei, scherzte der Minister, als er Prof. J. Marius Zöllner vom FZI Forschungszentrum Informatik den Förderbescheid über 2,5 Millionen Euro in die Hand drückte. Mit diesem Geld sowie Eigenmitteln in Höhe von 4,2 Millionen will ein Konsortium aus den Städten Karlsruhe, Bruchsal und Heilbronn sowie Forschungseinrichtungen, Industriepartnern und dem Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) als Betreiber ein Testfeld zum vernetzten und automatisierten Fahren aufbauen. „In zwölf Monaten soll es mit dem Testbetrieb losgehen, mit dem regulären Betrieb wollen wir in 17 Monaten beginnen“, informierte KVV-Geschäftsführer Dr. Alexander Pischon. Auf dem Testfeld, das innerstädtische Bereiche genauso umfasst wie Landstraßen und Autobahnabschnitte, können Firmen und Forschungseinrichtungen künftig Technologien und Dienstleistungen rund um das automatisierte Fahren erproben, etwa für die Bereiche Logistik, ÖPNV-Shuttle und Busbetrieb, Carsharing, Individualverkehr oder Mobilitäts-Apps.

„Dieses Testfeld für Baden-Württemberg ist ein offenes Angebot“, machte Hermann deutlich, dass die Ergebnisse auch übertragbar sein sollen auf andere Städte. „Wir wollen nicht noch mehr Autos auf den Straßen“, so der Minister. Für Karlsruhe und die Region habe er sich aufgrund der „hervorragenden wissenschaftlichen Expertise“ von KIT (Karlsruher Institut für Technologie) und FZI (federführend im Konsortium) entschieden, außerdem habe ihn überzeugt, dass der KVV dabei sei. Auch OB Dr. Frank Mentrup mahnte: „Wir brauchen einen leistungsfähigen ÖPNV.“ Und verwies auf die vielen zukunftsweisenden Projekte in der Region zum Thema Mobilität: Sei es RegioMOVE (KVV und Regionalverband Mittlerer Oberrhein), „GO Karlsruhe!“ (Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft, HsKA) oder die Profilregion Mobilitätssysteme (KIT, Fraunhofer Institute, FZI plus HsKA). Und Karlsruhe als Carsharing-Hauptstadt nicht zu vergessen.

Viel sehen vom Testfeld wird man nicht, wie Dr.-Ing. Michael Frey vom KIT erläutert. Sensoren, Kameras, Sendeantennen und das eine oder andere Schild für die Testfahrzeuge, in denen immer ein Sicherheitsfahrer sitzt. Genutzt wird weitgehend die vorhandene Infrastruktur, ausgebaut allerdings KA-WLAN, wie Prof. Zöllner informierte. Denn für den Testbetrieb soll neueste Mobilfunktechnologie nutz¬bar gemacht werden. Insgesamt 11 Arbeitspakete haben die Partner im Konsortium definiert - von Messtechnik über IT-Backend und Simulation bis hin zu Datenschutz und Sicherheit. Auch hochgenaue Karten werden erstellt und Tiefbauamt sowie Ordnungs- und Bürgeramt sind ebenfalls beteiligt. Schon jetzt haben über 60 Unternehmen Interesse bekundet, sich einzubringen, wie FZI-Sprecherin Johanna Häs informiert: Von Automobilherstellern und -zulieferern über Telekommunikations- und Dienstleistungsfirmen bis hin zu Versicherern. „Ein wichtiger Meilenstein für die Geschichte unserer Region und darüber hinaus“, wertet OB Mentrup den Zuschlag. Und 2017 will das Verkehrsministerium weitere 2,5 Millionen für Forschung auf dem Testfeld ausschreiben. -res-

 
 

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