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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 9. Dezember 2016

Kultur: Bollenhut als früher Werbeträger

ERFREULICHES SCHEINT NICHT IM BRIEF ZU STEHEN, den der Vater seiner ernst dreinblickenden Familie vorliest. Das Gemälde  entstand um das Jahr 1900 und stammt von Alma Erdmann (1872 bis 1930). Foto: pr

ERFREULICHES SCHEINT NICHT IM BRIEF ZU STEHEN, den der Vater seiner ernst dreinblickenden Familie vorliest. Das Gemälde entstand um das Jahr 1900 und stammt von Alma Erdmann (1872 bis 1930). Foto: pr

 

Schwarzwald-Bilder / Kunst des 19. Jahrhunderts

„O wie wechsle Berg un Tal, Land un Wasser überall“, schwärmte einst Johann Peter Hebel vom Schwarzwald. Die Landschaft faszinierte längst nicht nur Dichter. Lichte Höhen, dunkler Tann, Bauernhäuser mit Walmdach, Trachten und das schlichte, gottgefällige Alltagsleben der Bewohner boten auch den Künstlern des 19. Jahrhunderts eine schier unerschöpfliche Fülle an Motiven.

In der aktuellen Ausstellung „Schwarzwald-Bilder“ der Städtischen Galerie illustrieren rund 200 Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken und historische Fotografien den Mythos Schwarzwald. Die Schau ist ein Vorgeschmack auf die baden-württembergischen Heimattage 2017, denn der Schwarzwald stehe „geradezu emblematisch für den Begriff Heimat“, schreibt OB Dr. Frank Mentrup in seinem Katalog-Geleitwort. Immer wieder reisten Absolventen der Karlsruher Kunstakademie wie Friedrich Kallmorgen, Gustav Kampmann oder Karl Biese in das nahegelegene Mittelgebirge, ließen sich von Natur und Idylle inspirieren.

Zum „Lieblingsmaler des deutschen Volkes“ (Meyers Lexikon von 1909) avancierte wegen seiner poetischen Kompositionen der in Bernau im Hochschwarzwald geborene Hans Thoma. Das stille Gemälde „Feierabend“ zählte er selbst zu seinen besten. Es zeigt Mutter und Schwester im Garten des Elternhauses. Sie studieren die Bibel, ein Junge liegt ihnen zu Füßen und lauscht. Das bis heute werbewirksame Schwarzwald-Bild hingegen geht maßgeblich auf die Gutacher Malerkolonie zurück.

Angeregt durch den Berthold Auerbachs „Schwarzwälder Dorfgeschichten“ entdeckten Wilhelm Hasemann und seine Mitstreiter das „Schwarzwald-Mädel“ als künstlerisches Sujet - mit Tracht und Bollenhut. Als frühe Form der Vermarktung tauchten die Frauen und Mädchen mit dem charakteristischen Kopfschmuck in der Folge massenhaft auf Gemälden und in illustrierten Zeitungen auf, zierten Werbedrucke, Postkarten und Fotografien.

Die in acht Kapitel gegliederte Schau beginnt mit zeitgenössischen Positionen. Der Fotograf Thomas Ruff gestattet einen Blick in das elterliche Schlafzimmers in Zell am Hamersbach, das Künstlerpaar Anna und Bernhard Blume zeigt Sequenzen ihrer absurden Fotoserie „Im Wald“, Daniel Roth erzählt Mythen neu, Brigitta Weber spiegelt die Landschaft vor ihrem Fenster in Baden-Baden Lichtental im Laufe der Jahreszeiten.

Die Ausstellung läuft bis 26. Februar. An der Museumskasse gibt es zum Preis von 29.80 Euro einen reich bebilderten, im Michael Imhof Verlag erschienenen Katalog. -maf-

 
 

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