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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 16. Dezember 2016

Kultur: Mit ungekannter Leichtigkeit

EINE DEN TISCHEN IN OTTOS ARBEITSZIMMER nachempfundene Versuchsanordnung bringt Besuchern die  poetische und wissenschaftliche Gedankenwelt des Architekten näher. Foto: Bastian

EINE DEN TISCHEN IN OTTOS ARBEITSZIMMER nachempfundene Versuchsanordnung bringt Besuchern die poetische und wissenschaftliche Gedankenwelt des Architekten näher. Foto: Bastian

 

Die Ausstellung „Frei Otto. Denken in Modellen“ würdigt den Stararchitekten

Er gilt als Mann mit dem „Bau-Gen“. Frei Otto (1925 – 2015) war zeitlebens fest davon überzeugt, dass Bauen etwas zutiefst Menschliches sei.

Einem der renommiertesten und innovativsten Architekten des 20. Jahrhunderts gilt noch bis 12. März die vom Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau (saai) des KIT und der Wüstenrot Stiftung entwickelte Ausstellung „Denken in Modellen“ im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM). Es ist die bislang größte Schau über das Wirken des Pioniers, der 1964 das Institut für leichte Flächentragwerke an der TH Stuttgart gründete und es zu einer der weltweit wichtigsten Forschungsstätten für ökologisch geprägte Architektur und Ingenieurskunst machte.

Otto war so frei – und schenkte der Welt neue Leichtigkeit. Er entwarf mit der Zeltdachkonstruktion des Münchner Olympiastadions (1972) ein Wahrzeichen, ersann den deutschen Pavillon zur Weltausstellung in Montreal 1967, das Sternwallenzelt des Tanzbrunnens im Kölner Rheinpark (1957) oder war beteiligt an der einst als Wunder gepriesenen Mannheimer Multihalle (1975), bis heute einer der größten freitragenden Konstruktionen aus Holzgitterschalen weltweit.

Und er stattete Pink Floyd aus. Für ihre US-Tour 1977 wünschte sich die Band ein unkonventionelles Dach, Frei Otto steuerte zehn variable, im Bühnenboden versenkbare Schirme bei. Was schwer war, wurde bei ihm leicht. Er habe „viele Luftschlösser und wenig reale Gebäude“ geschaffen, wird Otto zitiert, dem posthum im März letzten Jahres der als Nobelpreis für Architektur geltende Pritzker-Preis verliehen wurde. Seine Gedanken kreisten längst nicht nur um Architektur, er bezog Technik, Wissenschaft und Gesellschaft mit ein, erkannte das Modellhafte in der Natur und versuchte, deren Gesetzmäßigkeiten zu nutzen.

Den „Quellcode seines Denkens“ vermittelt „Frei Ottos Kosmos“, eine experimentell gestaltete Versuchsanordnung. An 18 Tischen können Besucher in seine Ideenwelt eintauchen und ihn inspirierende Bilder natürlicher Konstruktionen wie Spinnnetze, Seifenblasen oder Korallen studieren. „Frei Ottos Modelllandschaft“ hingegen breitet sich auf 50 Metern Tischfläche aus. Ergänzt wird die „horizontale Wunderkammer“ (Kurator Georg Vrachliotis) von Originalplänen und Fotos. Weitere Bestandteile sind die ringförmig um die beiden Lichthöfe gruppierten Archive mit den wichtigsten biografischen Stationen des Stararchitekten sowie eine 25-Meter-Projektion. -maf-

 
 

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