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Karlsruhe: Stadtzeitung

Ausgabe vom 16. Dezember 2016

Werte: OB setzt Zeichen gegen Verrohung der Sitten

MITARBEITER SCHÜTZEN: Die Stadt wehrt sich gegen persönliche Anfeindungen von Politessen, KOD und anderen Beschäftigten. Foto: Fränkle

MITARBEITER SCHÜTZEN: Die Stadt wehrt sich gegen persönliche Anfeindungen von Politessen, KOD und anderen Beschäftigten. Foto: Fränkle

 

Anstand wahren im Umgang miteinander / Stadt will Mitarbeiter vor Anfeindungen schützen

Hassmails, Fake News, Beleidigung, Bedrohung: Die bundesweite Entwicklung einer zunehmenden Verrohung der Sitten macht auch vor Karlsruhe nicht Halt. Die Stadt wehrt sich jetzt gegen Anfeindungen ihrer Mitarbeiter und will sie besser vor Pöbeleien schützen.

Grenzüberschreitungen bis hin zur Androhung körperlicher Gewalt via E-Mail, soziale Medien oder im persönlichen Kontakt sehen sich Verantwortliche und Mitarbeiter der Stadtverwaltung auf allen Ebenen zunehmend ausgesetzt. Für OB Dr. Frank Mentrup ist das Maß voll in Sachen persönliche Diffamierungen und Respektlosigkeit. „Das Gefühl des Ausgeliefertseins durch die neuen Medien wächst bei den Mitarbeitern, die Verrohung wird immer persönlicher“, machte Mentrup am Dienstag vor den Medien klar, dass sich die Spitze der Stadt „mit ihren Mitarbeitern solidarisiert und schützend vor sie stellt“. Anlass für das deutliche Zeichen nach außen waren Rückmeldungen von Amtsleitungen und Personalrat vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus jüngster Vergangenheit.

Beim Streit um die Vergabe der Standplätze auf dem Christkindlesmarkt etwa hätten die Beschimpfungen gegenüber früheren Zeiten „an Intensität, Massivität und Anzahl deutlich zugenommen“, beklagte Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz „ein übles Abarbeiten an Personen, das an die Psyche der Mitarbeiter geht“. Bei der Vergabe der Plätze nach den vom Gemeinderat beschlossenen neuen Richtlinien, die der Verwaltungsgerichtshof Mannheim als korrekt bestätigte, „hat das Marktamt alles richtig gemacht“, betonte Luczak-Schwarz. Doch „Gerichtsurteile werden einfach ignoriert und Sachargumente nicht akzeptiert“, stellte sie in Art und Ton der Anfeindungen fest, „dass die Mitte der Gesellschaft keine Grenzen mehr anerkennt“. Als Reaktion darauf will die Wirtschaftsdezernentin mit den Absendern der Mails oder Postings im ersten Schritt klärende Gespräche in Sachen Anstand im Umgang miteinander führen, für das nächste Mal verspricht sie Strafanzeigen.

Ziel von Hassmails war auch der OB selbst, berichtete Mentrup von der Debatte um den Neubau einer Moschee, in der er als „Volksverräter abgestempelt“ und massiv bedroht wurde. Sorgen bereiten ihm aber mehr die Angriffe auf Mitarbeiter, „die nichts anderes machen als Beschlüsse des Gemeinderats umzusetzen“. Wie etwa im Ordnungs- und Bürgeramt (OA) Beschäftigte.

„Wir spüren seit Jahren, wie der Anstand im Miteinander schwindet“, verwies OA-Chef Dr. Björn Weiße auf Rückmeldungen quer durch alle Fachbereiche vom Standesamt bis zur Lebensmittelkontrolle, nach denen sich jeder zehnte Kunde „inakzeptabel benimmt“. Im OA sei ein Alarmsystem installiert, das auf Knopfdruck Hilfe von Kollegen ermögliche. Gegenüber Politessen und KOD gebe es jährlich 20 bis 30 Widerstandshandlungen bis zu körperlichen Attacken. In diesem Jahr habe seine Behörde bereits 26 Strafanzeigen gestellt, beklagte Weiße ebenfalls, „dass auch die Mitte der Gesellschaft Verhaltensweisen zeigt, die wir vor Jahren so nicht gekannt haben“.

Der Entwicklung will die Stadt „mit einer breiten gesellschaftlichen Debatte zu Achtsamkeit und Verantwortlichkeit gegensteuern“, kündigte Mentrup im ersten Schritt dazu für das Frühjahr einen Bericht von Mitarbeitern mit Kundenkontakt im Hauptausschuss an. Der Diskussion über Verantwortung müssten sich aber auch Medien und vor allem soziale Netzwerke stellen. -trö-

 
 

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